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Sonntag, 9. Oktober 2016

[Rezension #018] Die Eismacher von Ernest van der Kwast

Name: Die Eismacher
Autor: Ernest van der Kwast
Genre: Slice of Life, Lemon
Preis: Kindle Edition 15,99€ | Gebundene Version 19,99€
Seiten: 384
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-442-75680-3


Klappentext:
Im Norden Italiens, inmitten der malerischen Dolomiten, liegt das Tal der Eismacher, in dem sich die Einwohner auf die Herstellung von Speiseeis spezialisiert haben. Giuseppe Talamini behauptet gar, die Eiscreme erfunden zu haben. Und er muss es wissen, schließlich haben sich die Talaminis seit fünf Generationen dieser Handwerkskunst verschrieben. Jedes Jahr im Frühling siedeln sie nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: zartschmelzendes Grappasorbet, sanftgrünes Pistazieneis, zimtfarbene Schokolade. Dennoch beschließt der ältere Sohn Giovanni, mit der Familientradition zu brechen, um sein Leben der Literatur zu widmen. Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis ihn eines Tages sein Bruder aufsucht: Luca, der das Eiscafé übernommen hat, ist inzwischen mit Sofia verheiratet, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren. Und er hat eine ungewöhnliche Bitte ...


Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Zu diesem Buch habe ich sehr viele Gedanken, positive, wie auch jetzt nicht so positive. Aber fange ich erstmal mit den guten Punkten des Buches an. Der erste gute Punkt ist das Eis. Schon auf dem pastellfarbenen Cover begrüßt einen eine Eiswaffel mit etwa fünf (davon sind aber nur vier sichtbare) Eiskugeln, die einem den Eindruck vom warmen Sommertag mit Eis gibt. Man bekommt auch regelmäßig Lust auf Eis, wenn man die leckeren Beschreibungen der Sorten liest, oder auch nur, wie es gerade hergestellt wird. Oft genug hatte ich mir gewünscht, ich würde dieses Eis in echt, in der Realität vor mir sehen, so lecker wurde es beschrieben. Auch die Charaktere sind gut beschrieben, allerdings gab es hier ein kleines Problem, aber darauf komme ich noch. Der Stil war sehr angenehm zu lesen und trotz seiner blumigen Umschreibungen leicht zu verstehen. Hier und da wurden die Reize mancher weiblicher Charaktere erwähnt, das könnte ein paar Leute stören - ist jetzt aber nur eine Vermutung.  Und ich hab sogar mal vom Eisessen geträumt, war ein sehr schöner Traum.

Jetzt nun aber zu den Dingen, die ich mich gestört haben:

1. Klappentext ≠ Inhalt
Ich bin ganz ehrlich, wenn ich die Worte "Roman" und die in dem Klappentext lese, dann erwarte ich das, was ich auch lese. Bekommen habe ich ... nun, etwas leicht anderes. Der Inhalt des Klappentextes kommt zwar auch im Buch vor, allerdings nicht nur und größtenteils auch erst ab der zweiten Hälfte des Buches. Es gibt hier und da ein paar Nebenhandlungen, die nicht so richtig mit dem Buchinhalt bzw der Beschreibung zu tun haben. Auch wird immer wieder wiederholt, wie sehr der Hauptcharakter den Gedichten verfallen ist und auf welche Veranstaltungen er geht. Wenn man das mit der Literatur liest, denkt man nicht wirklich an Gedichte, sondern eher an Romane. Auch ist nicht wirklich erklärt worden, oder zumindest nicht ganz verständlich, welcher Tätigkeit genau der Hauptcharakter nachgeht. Er leitet ein mehrtägiges Festival, reist hier und da durch die Welt und hilft auch mal im Café aus ... aber sonst? Kein Wunder, dass sein Bruder denkt, Giovanni hätte die meiste Zeit frei, während er im Café schuftet.

2. Beschreibungsfluss
Entweder beschreibt der Autor etwas ellenlang und ausführlich - oder er beschreibt etwas und bricht dann abrupt ab. Wie es nun danach weitergeht oder was in den letzten Sätzen bzw. im letzten Absatz passiert ist, darf der Leser raten.

3. Roter Faden
Ist kaum vorhanden. Man kann es sich eher vorstellen wie eine Autobahn, die immer wieder geschlossene Stellen aufweist, an denen man sie verlassen und auf Landstraßen weiterfahren muss. Der Autor wechselt zwischen den Kapiteln in der Zeit vorwährts hin und zurück. In einem Kapitel zum Beispielt geht es um die Gegenwart, dann auf einmal um etwas, was zig Jahre in der Zukunft passiert und das Kapitel darauf schließt beim ersten Kapitel wieder an, als wäre nichts passiert. Es ist nicht mal sichtbar, warum so in den Zeiten herumgesprungen wird. Es ist zwar interessant, aber es wäre schön, wenn es einheitlich und chronologisch gewesen wäre. Dass sowohl der Urgroßvater, als auch der Vater und sein Neffe allesamt Giuseppe Talamini heißen, ist nicht besonders hilfreich dabei. Ich bin allgemein kein Fan von "Ich mag Verwandter/Bekannter/Freund XY so gerne, recyclen wir seinen Namen", da mir das unkreativ vorkommt. Muss ein Stammbaum wirklich ein Kreis aus den ewig gleichen Vornamen sein? Finde auch sowas wie "Vorname Junior" nicht so kreativ - aber gut, ich weiche ab^^°

4. Das Ende
Das Ende ist offen - es werden ein paar Fragen gestellt, aber wie diese gelöst werden, bleibt dem Leser überlassen. Was ich auch interessant fand, war die Frage: Geht man mit der Familientradition mit, oder bricht man sie? Ich konnte beide Seiten verstehen. Zum einen ist da der Laden, mehrere Generationen haben geschuftet und geackert, damit der Laden immer noch existiert und ihre Leben aufgegeben. Zum anderen will man sich ja sein Leben und damit auch seinen Beruf aussuchen können, oder? Eine sehr schwere Frage, die ich auch nicht instant beantworten könnte. Aber die Antwort, die es hier unter dem Strich gab, hat mir ehrlich gesagt nicht gefallen. Entweder man geht in die Familientradition oder man läuft einfach davon. Oder man sorgt dafür, dass man (vllt auch nur scheinbar) viel Freizeit hat, verbringt die dann auch noch unter den Augen des Bruders und wundert sich dann, warum er nicht mehr mit einem sprechen möchte ...

5. Das Motiv bzw der Schutzumschlag
Ich finde es schade, dass das Motiv auf einem Schutzumschlag drauf ist und nicht auf dem Buch selbst. Keine Ahnung, wie es euch dabei geht, aber ich lege den Schutzumschlag ab, lege ihn irgendwo ab und tue ich erst wieder drauf, wenn ich mit dem Buch fertig bin. Ich kenne auch noch eine andere Bloggerin, der es so geht und sie findet es ebenfalls schade, dass man dadurch nicht mehr viel vom Motiv hat. Was hier sehr schade ist, denn allein die Farben sind klasse.


Leseprobe (die ersten 10 Sätze):
Kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag hat sich mein Vater verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick, Liebe, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt, ein Blitz, der einen Baum fällt. Meine Mutter rief mich an. "Beppi hat den Verstand verloren", sagte sie.
Es geschah während einer Liveübertragung von den Olympischen Spielen in London. Genauer gesagt: beim Finale der Hammerwerferinnen. Mein Vater hat auf dem Dach eine Satellitenschüssel anbringen lassen, mit der er mehr als tausend Kanäle empfangen kann. Ganze Tage sitzt er vor dem Fernseher, einem fantastischem Flachbildgerät, und zappt sich in konstant hohem Tempo durch die Programme. Japanische Fußballspiele huschen vorüber, arktische Naturfilme, spanisches Autorenkino, Reportagen über Naturkatastrophen in El Salvador, Tadschikistan, auf den Fidschi-Inseln. Und natürlich verstörend betörende Frauen aus aller Welt.


Fazit:
Ich muss sagen, dass ich doch ein wenig von diesem Buch enttäuscht bin und habe mir doch etwas mehr davon erwartet. Nichtsdesto ist es nicht übel, dennoch wäre es jetzt nichts, was ich jetzt irgendwann mal ein zweites Mal lesen muss, dafür hat mich dann doch zu viel gestört. Was eigentlich schade ist, aber vermutlich muss man sich dafür wohl auch für Gedichte interessieren. Denn diese spielen eine sehr große Rolle in diesem Buch und da ich selbst mit Gedichten gar nichts anfangen kann (ein Gedichtband ist aber bereits auf meiner Leseliste), ist wohl auch das Buch für mich nichts. Und der Teil mit dem Eis und auch das Miteinander der Leute war sehr interessant. Nur beim Protagonisten musste ich mir ab und zu an den Kopf fassen, wie z.B. er erzählt, dass sein Bruder Hilfe braucht und anstatt ihm einfach zu helfen, haut er ab und reist wieder in der Weltgeschichte umher. Das macht für mich einfach keinen Sinn. Daher bekommt auch dieses Buch nur 3 Rubine von mir.






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Quelle:
amazon.de

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