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Freitag, 8. September 2017

[Rezension #59] TodeserklÀrung



Name: TodeserklĂ€rung
Autor: Klaus Erfmeyer
Genre: Krimi
Preis: € 9,90
Seiten: 269 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: UrsprĂŒnglich 2007, diese Version hier etwa 2016/2017
ISBN: 978-3-861907-70-1
Verlag: Gmeiner-Verlag, Sonderausgabe von EDITIONNOVA GmbH




 Klappentext:
Als der bekannte Dortmunder Rechtsanwalt Stephan Knobel morgens aufwacht, ahnt er noch nicht, dass dieser Tag sein Leben verĂ€ndern wird: Erst spielt seine Frau verrĂŒckt, dann taucht auch noch der unsympathische Gregor Pakulla in seinem BĂŒro auf. Pakulla wird ein großes Vermögen erben - allerdings nur, wenn er sich mit seinem Bruder Sebastian versöhnt.

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Um ehrlich zu sein, das Buch hat mich leider ziemlich enttÀuscht. Gregor Pakulla sucht aufgrund eines Erbfalls seinen verschwundenen Bruder und ist nicht in der Lage zu erben, solange der Bruder nicht wieder auftaucht. Doch statt einen Detektiv anzuheuern, wendet er sich lieber an einen Anwalt und zahlt ihm stattliche Summen im Voraus. Etwas, was den Anwalt aufhorchen und den Mandanten mehr als verdÀchtig erscheinen lÀsst.

Doch leider ist die Geschichte nicht so aufregend erzĂ€hlt, wie die Beschreibung es möglicherweise klingen lĂ€sst. Irgendwie ist die Spannung wie nasses Holz, es wird die ganze Zeit versucht etwas zu zĂŒnden, aber leider brennt es leider nicht. Viele Entdeckungen passieren eher beilĂ€ufig und auch recht unspektakulĂ€r. Klar, der Alltag in einer Kanzlei ist jetzt nicht gerade etwas, was man als actionreich bezeichnen wĂŒrde (ganz ehrlich, wenn ich eine Geschichte schreiben wĂŒrde, in der ein Alltag einer kleinen Kanzlei realistisch dargestellt wird, man hĂ€tte nichts besonders viel aufregendes zu lesen - da ich meine Ausbildung in einer Kanzlei gemacht habe, weiß ich, wovon ich spreche), aber hier hĂ€tte ich sogar ein wenig darĂŒber hinweggesehen, wenn man wenigstens ein bisschen ĂŒbertrieben hĂ€tte. Andererseits hat es mich an die Zeit meiner Ausbildung erinnert, was auch wieder fĂŒr die Kanzleimomente spricht.

Doch nicht nur die Spannung ist nicht gerade sehr aufregend, die Charaktere wirkten ebenfalls ein wenig flach und eindimensional. Da ist der strenge Chef, der sich nicht entscheiden kann, ob er einen nun mag oder nicht. Der Konkurrent in der Kanzlei, der sich ĂŒberall einschleimt bis zum Geht-nicht-mehr und versucht, dem Hauptcharakter den Posten als zweiter Chef der Kanzlei streitig machen. Und der Hauptcharakter wurde mir bereits nach den ersten Seiten ziemlich unsympathisch. Nicht nur, dass er seine Frau nicht wirklich geliebt hat, er hatte offenbar auch kein Problem, nebenbei auch noch fremdzugehen und das auch noch schönzureden. Er nannte die Stunden bei seiner Geliebten eine "Ausflucht aus dem Alltag", welcher er in einem Tagebuch festhĂ€lt und er konnte sich auch nicht so richtig entscheiden, ob er nun die Scheidung möchte oder nicht. Besonders der Satz "Gerade, weil Knobel Marie (die AffĂ€ire) genießen durfte, gab es ĂŒberhaupt keinen Grund, sich von Lisa (die Ehefrau) zu trennen."
Ganz ehrlich, seitdem hatte Knobel mir nur noch den Status eines "schwanzgeilen Arschlochs". Er betrĂŒgt seine Frau, die er eh nie geliebt hat, wie er immer wieder beteuert (ob er sich hier auch nur was schönredet?), belĂŒgt sie ĂŒber die Zeit, in der er bei Lisa ist und empfindet das als vollkommen normal. Als ihn Marie dann zu einer Entscheidung zwingt, kommt ihm das mehr als merkwĂŒrdig vor. Ebenso hebt er Marie stĂ€ndig in den Himmel, erst durch sie "lebt er richtig", auch muss er immer wieder loben, wie schön und klug ist ist.

Nun ja, abgesehen von dem dunklen Schatten und dem nervigen Konkurrenten stechen die Charaktere nicht besonders hervor, so dass man zu keinem von ihnen eine Verbindung aufbaut, nicht mal zu denen, mit denen man irgendwie mitfĂŒhlen sollte. Nicht mal mit der betrogenen Ehefrau, denn sie kommt selbst so gut wie gar nicht im Buch vor. Höchstens in zwei Kapiteln.

Der Fall selbst war an sich sehr interessant und eigentlich auch der einzige Grund, weshalb ich das Buch komplett durchgelesen wurde. Zwar war es komplex, aber wenn die Spannung nicht so lahm und unaufregend gewesen wĂ€re, dann wĂ€re der ganze Fall viel besser rĂŒbergekommen. Das Ende ist ziemlich verwirrend, weshalb ich froh bin, dass es noch eine abschließende AufklĂ€rung gibt. So gibt es auch keinen richtigen Spannungsbogen, was schade ist. Dadurch wurde leider viel an Potential und Spannung verschenkt. Zwar ist der Mandant bei dem ganzen Fall nicht sonderlich hilfreich, aber das alleine kann nicht der Grund dafĂŒr sein. Was mir ebenso seltsam vorkam: Marie weiß alles und Knobel irgendwie nichts - anfangs dachte ich mir nichts, aber dann kam es mir dann doch etwas zu merkwĂŒrdig und gestellt vor. Der Schreibstil war dagegen sehr angenehm zu lesen.

Leseprobe:
Rechtsanwalt Stephan Knobel saß an jenem regenverhangenen Montagmorgen Anfang Februar seit bereits ĂŒber zwei Stunden tatenlos hinter seinem Schreibtisch, als seine SekretĂ€rin die TĂŒr zu seinem BĂŒro einen Spalt weit öffnete, ihren Kopf hineinsteckte und ĂŒber die GlĂ€ser ihrer Lesebrille spĂ€hte. Sie sah die leere große Schreibtischplatte, dahinter die ausdruckslose Miene ihres Chefs und seine ungewöhnlich blasse Gesichtsfarbe.
"Ein neuer Mandant", meinte sie unsicher, "er hat zwar keinen Termin, aber er sagt, es sei wichtig. - Übernehmen Sie ihn?"
Frau Klubunde trat nun ganz in sein BĂŒro und schloss leise hinter sich die TĂŒr.
"Herr Knobel?"
Ihr Tonfall verriet gleichermaßen FĂŒrsorge und Neugier.
"Sie gefallen mir heute gar nicht. Ist Ihnen nicht gut?"
Sie hielt inne, hĂ€tte natĂŒrlich gerne insistiert und sich als geduldige Zuhörerin empfohlen. Stattdessen schwieg sie erwartungsvoll, hielt gebĂŒhrliche Distanz und signalisierte zugleich, dass sie nicht eher gehen werde, bis sie eine befriedigende Antwort erhalten hatte. Frau Klabundes fĂŒlliger Körper stand wie eine Statue in seinem BĂŒro.
"Es ist nichts", log er. "Wie heißt der Mandant?"
Seine Stimme klang leise und klang gereizt.
Frau Kalbunde ĂŒberging seine Frage.
"Sie können mir nichts vormachen, Herr Knobel. Ich kenne Sie zwar noch nicht sehr lange, aber eine Frau hat dafĂŒr ein GespĂŒr."
Wie immer, wenn nach ihrem Eindruck etwas nicht stimmte, brachte sie ihr frauliches Empfinden ein, diente sich als Freundin an, ohne Freundin sein zu wollen.
Knobel nickte.

Fazit:
Auch das hier ist leider wieder ein Buch, das ich jetzt nicht unbedingt empfehlen wĂŒrde oder von dem ich sage, dass man unbedingt gelesen haben muss. Die ganze Zeit ĂŒber bleibt die Spannung im unteren Bereich, es wĂ€re vielleicht hilfreich gewesen, wenn die Freundin Marie nicht immer sofort alles gewusst hĂ€tte und wenn Knobel auch etwas mehr selbst in Erfahrung hĂ€tte bringen können. Hat er zwar, aber nicht viel. So wirkt er nur wie jemand, der nur die Nebenarbeit macht und dann am Ende fĂŒr das Endergebnis die Lorbeeren einsammelt. Zudem wĂ€re eine richtige Bedrohung, sei es nun eine echte Person oder nur durch etwas wie einen Zeitdruck, nicht schlecht fĂŒr die Geschichte gewesen. So wirkt es, als hĂ€tten sie alle Zeit der Welt und als wĂ€re das alles gar nicht so dringend. Daher kann ich dem Buch nur 2 Rubine vergeben. Ein weiteres Mal werde ich es nicht lesen.






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Quelle:
Selbst geschossen

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