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Swinub - Pokemon

Dienstag, 2. Oktober 2018

[Rezension #82] Das VermÀchtnis der Wanderhure



Name: Das VermÀchtnis der Wanderhure
Autor: Iny Lorentz
Genre: Drama, Historie, Frau
Preis: €10,99
Seiten: 715 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2006
ISBN: 978-3-426-66202-1
Verlag: Knaur Verlag




Beschreibung:
Als Maries Todfeindin Hulda erfĂ€hrt, dass ihre Rivalin wieder schwanger ist, schmiedet sie einen perfiden Plan: Marie soll entfĂŒhrt und fĂŒr tot erklĂ€rt werden. ZunĂ€chst scheint der Plan zu gelingen und Michel, Maries Mann, trauert tief um die Liebe seines Lebens. Bald bedrĂ€ngen ihn Hulda und ihre VerbĂŒndeten, sich wieder zu verheiraten. Marie ist wĂ€hrenddessen als Sklavin verkauft worden. Nur unter großen Gefahren fĂŒr sich und ihr Kind und unter Einsatz ihres Lebens gelingt es ihr, den Weg in die Heimat zurĂŒck zu finden. Dort muss sie entdecken, dass Michel nicht mehr frei ist ...


Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Wow, das Buch war wirklich eine Achterbahnfahrt und ich hatte am Anfang so absolut keine Ahnung, was mich erwarten wĂŒrde. Nun ja, dank der Beschreibung hatte ich schon eine leichte Vorahnung und trotzdem traf es mich mitten aus dem Nichts, als Marie dank eines perfiden Plans entfĂŒhrt wird. Dass sie dann auch noch schwanger ist und einen Sohn auf die Welt bringt, war ja fĂŒr Hulda nicht gerade super. Doch da sie selbst wieder "nur" eine Tochter geboren hat, hat sie sich dazu entschlossen, einfach die Kinder auszutauschen und den Jungen als ihren eigenen auszugeben. Ich muss dazu aber auch sagen, dass Hulda verdammt viel GlĂŒck hatte. Zum einen kann sie sich mehr als gut durchsetzen, wenn auch auf die Tyrannenart, was dafĂŒr sorgt, dass ihre Bediensteten lieber kuschen als sich irgendwelche Gedanken zu machen. Ein paar von denen sind aber auch genauso skrupellos wie ihre Herrin. Außerdem hat sie einen Vater und ein paar VerbĂŒndete, die hinter ihr stehen und sie unterstĂŒtzen, einfach, weil sie kein Aufsehen, keinen Ärger und keine Schande haben wollen. Dass ihr Plan so gut ging, bis Marie dann beim SklavenhĂ€ndler gelandet ist, hat mir persönlich nicht so gefallen, ich hatte es Hulda absolut nicht gegönnt. Wenigstens hat eine ihrer Leute die Idee gehabt, Marie das arme, man könnte sagen verstoßene neugeborene MĂ€dchen zu geben. Marie hat es dann lieb gewonnen und großgezogen, obwohl sie wusste, dass es eigentlich Huldas Kind ist. Doch Marie ist schlau genug um zu wissen, dass das MĂ€dchen nichts fĂŒr die Taten ihrer Mutter kann.
Als sie dann auf dem Schiff die dunkelhĂ€utige Alika kennenlernt, finde ich es interessant, wie sie trotz der Sprachbarriere langsam freundschaftlich zueinander finden. Zusammen können sie dann die schwere Zeit durchstehen und auch die Zeit, in der sie bei den Russen sind, als Marie dort als Amme eines neugeborenen Jungen arbeiten musste und Alika als ihre Assistentin (oder was in der Richtung). In der gleichen Zeit wurde Michel wieder neu verheiratet und ich verstehe bis heute nicht, warum das unbedingt sein musste. Und wenn er es schon wenigstens musste, warum hat man das einfach entschieden? Schwanhild war mehr als schrecklich. Er hĂ€tte sich die Frau wenigstens aussuchen dĂŒrfen, oder einfach (vermeintlicher) Witwer bleiben dĂŒrfen. Es ist schon echt stark, wie schnell sie Marie fĂŒr tot erklĂ€rt hatten, noch bevor sie die Leiche gefunden hatten. Wenigstens konnte man am Ende alles wieder ins Reine bringen, aber nervig war es schon. Besonders oder fast nur wegen der nervigen Schwanhild. Kein Wunder, dass die alle wieder abgehauen sind.
Wen ich auch noch sehr interessant fand, war neben Marie und Alika die FĂŒrstin Anastasia und Andrej, besonders er war nicht auf den Kopf gefallen oder stĂ€ndig betrunken wie sein Herr, sondern hat sich auch Gedanken gemacht. SpĂ€ter, als sie auf der Flucht waren, hat sich ja gezeigt, dass die beiden starke GefĂŒhle fĂŒreinander haben. Ich finds toll, dass sie am Ende zusammengekommen sind :3
Was auch noch sehr interessant war, war die Schar an Kindern, die Marie am Ende des Buches hatte. So war sie am Anfang mit ihrem Sohn schwanger, aber brachte dank ihrer Reise noch zwei weitere Kinder mit. Damals war es wohl ziemlich einfach, ein weiteres Kind in die Familie zu intergrieren, heute dĂŒrfte das dank Behörden etc. viel schwerer sein.

Anbei ist eine Karte vom damaligen Europa und Teilen Russland. Es sind sĂ€mtliche Orte, die im Buch genannt werden, verzeichnet, sodass man Maries abenteuerliche Route gut nachvollziehen kann. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie das damals alles so hieß und aufgebaut war.

Leseprobe:
Schreie von Kriegern und Pferden hallten misstönend in Maries Ohren, und ĂŒber dem SchlachtenlĂ€rm lag der Klang hussitischer Feldschlangen, die Tod und Verderben in die dicht gedrĂ€ngten Reihen der deutschen Reier spien. Sie sah böhmisches Fußvolk in blauen Kitteln mit kleinen, federgeschmĂŒckten HĂŒten wie die Woge einer Sturmflut auf das eisenstarrende kaiserliche Heer zurollen. Zwar schĂŒtzten sich die Angreifer nur durch Lederpanzer und kleine Rundschilde, doch sie schienen zahllos zu sein, und ĂŒber ihren Köpfen blitzten Hakenspieße und die Stacheln der Morgensterne.
Nun vernahm sie Michels Stimme, der seine Leute zum Standhalten aufforderte. Dennoch löste sich an anderen Stellen die Formation der Deutschen auf, und ihre Schlachtreihe bröckelte wie ein hart gewordener Laib Brot, den man mit den HĂ€nden zerreibt, um ihn an die Schweine zu verfĂŒttern. In diesem Moment begriff Marie, dass Kaiser Sigismund die Seinen in eine vernichtende Niederlage gefĂŒhrt hatte. Sie stöhnte auf und zog Trudi enger an sich.
Da stĂŒrmte einer der fliehenden Ritter direkt auf sie zu. Sein Visier stand offen, und sie erkannte Falko von Hettenheim. Er blieb vor ihr stehen und wies mit dem Daumen auf Michel, der von einer dichten Traube böhmischer Rebellen umzingelt war. "Diesmal opfert sich dein Mann fĂŒr den Kaiser. Gleich wird er krepieren, und nichts kann dich mehr vor meiner Rache schĂŒtzen!"
Marie versteifte sich und tastete nach dem Dolch, den sie in einer Falte ihres Kleides verborgen hielt, mochte die Waffe im Vergleich zu dem Schwert des Ritters eine Nadel sein. Falko von Hettenheim hob die Klinge zum Schlag, hielt aber mitten in der Bewegung inne und lachte auf.
"Ein schneller Tod wĂ€re eine zu leichte Strafe fĂŒr dich, Hure. Du sollst leben und dabei tausend Tode sterben!" Er griff mit der gepanzerten Rechten nach Trudi, riss das Kind an sich und wandte sich hohnlachend ab.
Mit einem verzweifelten Schrei wollte Marie ihm folgen, um ihre Tochter zu retten. Im gleichen Augenblick packte sie jemand an der Schulter und schĂŒttelte sie krĂ€ftig.


Fazit:
Nun, was soll ich zu dem Buch noch viel sagen? Mir hat Marie schon richtig Leid getan, so viel Pech, wie sie in der ersten BuchhĂ€lfte hatte, bewundere aber auch ihren starken Willen. Besonders dank der kleinen Lisa hat sie den Weg ins Leben wiedergefunden, denn die Kleine wĂ€re ohne sie verloren gewesen. Aber auch fĂŒr Alika und am Ende fĂŒr die FĂŒrstin und Andrej war es ein großer GlĂŒcksfall, dass sie Marie begegnet sind. Wie immer konnte sich Marie irgendwann gut durchsetzen und auch mit ihrem Wissen und ihrem Können ĂŒberzeugen. Dass Michel im Gegensatz zu Marie schnell einknickt, fand ich sehr schade, aber es wĂ€re auch nicht wirklich passend zu seinem Charakter gewesen. Wie er aber teilweise ĂŒber Schwanhild gedacht hat, fand ich trotzdem ein wenig seltsam, da das nicht so wirklich zu ihm passt. Wie es dann fĂŒr alle ausgangen ist, finde ich super, denn jede und jeder hat bekommen, was er oder sie verdient hatte. Das Buch ist ein wenig lang, ich hab schon meine Zeit gebraucht, bis ich das Buch geschafft habe, aber ich hatte trotzdem, nicht wie bei dem Buch davor, sehr viel Spaß beim Lesen. Insgesamt vergebe ich an das Buch vier Rubine und freue mich schon auf das nĂ€chste Buch in der Reihe. Wann auch immer ich das lesen werde.








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Quelle:
Selbst geschossen
Hugendubel.de

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