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Swinub - Pokemon

Sonntag, 5. Mai 2019

[Rezension #94] Das gefÀlschte Siegel



Name: Das gefÀlschte Siegel
Autor: Maja Ilisch
Genre: Fantasy, Mystery
Preis: € 22,00
Seiten: 486
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2019
ISBN: 978-3-608-96030-3
Verlag: Hobbit Presse / Klett-Cotta




RĂŒckentext:
Um Kevron, der einst ein begnateter FĂ€lscher war, steht es nicht zum Besten. Schulden, Alkohol und sein Hang zur Faulheit haben ihn fest im Griff. Da klopft es eines Tages an der TĂŒr. Vor der Kammer steht kein Geringerer als der fĂŒnfte Sohn des Königs: Prinz Tymur. Dem Land droht nĂ€mlich Unheil von einem uraltem ErzdĂ€mon und Tymur hat einen Auftrag fĂŒr Kevron. Die Spur fĂŒhrt ins ferne Nebelreich, und wer hier verloren geht, den wird man nicht vermissen.

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Ohje, das Buch hatte es wirklich nicht einfach mit mir. Ich fand die Idee an sich sehr gut, es ist mal was anderes und auch mag ich den Schreibstil, er ist leicht verstĂ€ndlich und auch sehr ausfĂŒhrlich, finde ich sehr schön. Die Autorin beschreibt die Dinge sehr lebhaft und detailliert, ohne, dass es irgendwie ausufernd wirkt und ich konnte mir sehr viele Dinge und Szenen sehr gut vorstellen. Allerdings stecke ich seit Wochen und Monaten in einer regelrechten Leseunlust, bisher habe ich mich eher an LTBs versucht, ansonsten vergeht Tag fĂŒr Tag, an dem ich mir vornehme zu lesen, nur um es dann nach ein paar Stunden UntĂ€tigkeit auf den nĂ€chsten Tag zu verschieben. Dass ich also so lange gebraucht habe, das Buch zu lesen und auch jetzt so lange fĂŒr die Rezension brauche, das hat absolut nichts mit dem Buch zu tun. Denn obwohl es nicht perfekt ist und es ein paar Punkte gab, die ich jetzt nicht so doll fand, gefĂ€llt mir das Buch sehr gut.

Das liegt zum einen daran, dass ich wie gesagt den Schreibstil als sehr angenehm empfinde und dass ich beim Lesen, wenn ich mich dazu aufraffen konnte, sehr viel Spaß hatte, trotzdem. Zum anderen liegt es daran, dass ich mich immer gefragt habe, wie wird es wohl weitergehen, liege ich mit dem und dem Verdacht nun richtig oder nicht. Das Buch bzw die Story des Buchs ist jetzt auch nicht etwas, was ich schon von anderen BĂŒchern kenne, es gibt viele Geschichten, in denen sich eine Truppe unterschiedlicher Leute zusammensetzt, doch diese kamen bisher immer viel besser miteinander aus als die Gruppe aus diesem Buch. Auch war der Verlauf in vielen anderen Geschichten immer etwas gleich, wĂ€hrend es hier anders ist. Man lernt zusammen mit der Gruppe die Welt kennen und macht sich so seine eigenen Gedanken, wie es dazu kommen konnte, dass die Außenwelt so verrotten und verlassen ist, wie sie es nun anscheinend ist. Auch sind die Charaktere etwas besonderes. Besonders hat es mir Kev angetan, sein Verhalten ist fĂŒr mich am meisten verstĂ€ndlich und nachvollziehbar, zwar hĂ€tte ich mir hier und da ein wenig mehr Mut oder Zuversicht fĂŒr ihn gewĂŒnscht, andererseits kenne ich das von mir und weiß, dass man nicht einfach so optimistisch werden kann, nur, weil man es gerne hĂ€tte. Oder weil andere es gerne so hĂ€tten. Das geht einfach nicht so leicht. Zumal Kev die letzten Jahre seines Lebens um ebendieses gefĂŒrchtet hat und auch mit diversen inneren DĂ€monen (Achtung, Wortspiel!) zu kĂ€mpfen hat. Das fand ich sehr interessant zu sehen, auch, wie er sich weiterentwickelt und doch mal aus sich herauskommt.

Was die Beliebtheit bei mir angeht, teilen sich danach Tymur und Lorcan den Platz. Wobei ich mich nicht wirklich entscheiden kann, wen ich von beiden lieber mag, vermutlich mag ich Lorcan doch ein StĂŒck mehr, aber an sich sind sie auf Platz 2,5 und 2. Lorcan ist eher verschlossen und richtet seine Aufmerksamkeit auf Tymur. Ob es nun an ihrer gemeinsamen Vergangenheit liegt, an seiner ehemaligen Aufgabe oder der Tatsache, dass Lorcan romantische GefĂŒhle fĂŒr Tymur hegt, nun, ich denke, es ist alles davon. Doch dass Tymur von diesen GefĂŒhlen weiß und diese auch fĂŒr seinen eigenen Vorteil nutzt, ist schon ziemlich gemein gegenĂŒber Lorcan, da hat er mir doch ziemlich leid getan, besonders, als Tymur ihn einfach gekĂŒsst hat. Bei ihm bin ich mir nicht sicher, ob er nun wirklich er selbst ist oder ob er die ganze Zeit von dem DĂ€monen besessen ist. Oder dass er zumindest unter dem Einfluss des DĂ€monen ist, es wĂŒrde auf jeden Fall viel von seinem seltsamen Verhalten erklĂ€ren. Auch wĂŒrde es die Mission und auch die letzte Szene erklĂ€ren. Ich hoffe es auch aus dem Grund, dass der "echte" Tymur nicht so ein arrogantes Ekelpaket ist, und auch wenn der jetzige Tymur auch ziemlich interessant ist, eben dadurch, dass er so vielschichtig und undurchsichtig ist wie ein unbehandelter, eckiger Diamant, wĂ€re seine wahre Persönlichkeit, sollte es sie ĂŒberhaupt (noch) geben, ebenfalls sehr interessant zu sehen.

An der letzten Stelle kommt Enidin, mit ihr konnte ich eine lange Zeit lang nichts anfangen. Im Gegenteil, sie mochte ich ĂŒberhaupt nicht, schon alleine diese Einstellung, die sie MĂ€nnern gegenĂŒber hat, wenn es um Magie geht. Ihrer Ansicht nach ist Magie etwas, was nur Frauen so richtig beherrschen und verstehen, dass sie in den HĂ€nden von Frauen rein und edel ist, aber auch etwas, was man nicht missbrauchen oder ĂŒberhaupt selten einsetzen soll. Bei MĂ€nnern bedeutet Magie ihrer Meinung nach nur Krach, Bumm und Peng; auch meint sie, dass MĂ€nner davon eh nichts verstehen wĂŒrden. Solche Aussagen finde ich schon ziemlich nervig, was sie nicht gerade positiv in meinen Augen wirken ließ. SpĂ€ter, als sie dann Lorcan und Kev kennenlernte, war sie ihnen gegenĂŒber kĂŒhl und fĂŒhrte sich auf wie die Prinzessin auf der Erbse, die sich fĂŒr sonstwas hielt. Auch redete sie stĂ€ndig von ihrer Magie, aber zeigen wollte sie sie doch nicht. Warum genau sie die nicht zeigen wollte, habe ich das komplette Buch hindurch nicht verstanden. Erst gegen Ende wurde sie dann doch etwas verstĂ€ndlicher und sympathischer fĂŒr mich, aber ich hoffe doch, dass sie durch diese Reise viel lernt und auch viel von ihrer Persönlichkeit reifen wird.

Nun ja, die Story war mal was anderes, ich finde es toll, wenn ich mal Geschichten lese, die nicht nach Schema F ablaufen, das ist wirklich etwas besonderes und macht einem Mut, selbst mal was anderes auszuprobieren. Allerdings gibt es ein paar Punkte, die mich gestört haben und ich zÀhle mal kurz auf, was es beispielsweise ist:

1. Der Tod der EhrwĂŒrdigen Frau Mutter - was ist da genau passiert? Was passiert jetzt mit den anderen und auch mit Enidin? Gibt es eine Nachfolgerin? Warum ist sie ĂŒberhaupt gestorben? Und wie kommt es, dass es Enidin nicht stört?

2. Enidin selbst hat mich stark gestört, wie bereits gesagt. Dass sie so rosarot verknallt hinter Tymur hinterherwackelt, aber den Rest nicht mit dem Arsch anschaut ist auch nicht gerade ein Pluspunkt bei ihr. Ich hoffe wirklich, wirklich, sie wird sympathischer.

3. Die Sache mit Kevs Bruder und wie sie mit der Story verwoben ist. So ganz erschließt sich mir der Zusammenhang noch nicht ganz, aber gut, das hier ist der erste Band, das wird sicherlich noch aufkommen.

4. Die Kampfszenen waren jetzt leider nicht so ganz meins, da ich nicht immer mitgekommen bin, was nun gerade passiert. Allerdings bin ich selbst bei meinen FFs nicht gerade besser, was das angeht. Ich kann nur bitten, dass diese in Zukunft eventuell etwas verstÀndlicher geschrieben werden, damit auch ein Depp wie ich mitkommen kann.

Kurz noch etwas zum Aussehen des Buches: Das Buch selbst ist in einem schlichten Dunkelblau gehalten und da ich BĂŒcher grundsĂ€tzlich ohne Schutzumschlag lese, habe ich auch das die meiste Zeit gesehen. Ich finde es immer wieder aufs neue schade, wenn BĂŒcher unter dem Schutzumschlag so ... öde aussehen, wenn sich die Verlage nur mit dem Schutzumschlag MĂŒhe geben und den Buchdeckel darunter quasi hinrotzen. Doch das ist hier nicht der Fall, das Dunkelblau passt super zu dem Bild auf dem Schutzumschlag, welches ich auch sehr gelungen finde. Es gibt ein schönes, mystisch aussehendes Siegel, ich frage mich, ob das auch das Siegel ist, welches sich auf der Schriftrolle befindet. Leider gibt es keine genaue Beschreibung des Siegels (oder ich habe es bereits wieder vergessen), aber ich fĂ€nde die Vorstellung schön. Auch finde ich die Schatten der vier Protagonisten, wie auch die geheimnissvolle Welt, durch die sie auf dem Bild wandeln, sehr angenehm.

Leseprobe:
Tausend Jahre, und niemand hatte die Schriftrolle auch nur angerĂŒhrt. Sie lag auf ihrem steinernen Podest wie am ersten Tag, als wĂ€re alle Zeit nur Einbildung, und nicht einmal Staub wollte sich auf ihr niederlassen. Sie beherrschte den Raum, und nichts beherrschte sie. Vielleicht wusste sie, wie bedeutsam sie war. Und vielleicht wusste es auch der, der in ihr saß, fĂŒr alle Zeit gezwungen, gebannt, gesiegelt. Es gab genug GrĂŒnde, die Schriftrolle zu fĂŒrchten. Und selbst Staub, Zeit und Zerfall hielten sich daran.
Nur den kleinen Jungen schien nichts davon zu stören. Seine FĂŒĂŸe hĂŒpften ein Muster in die Treppenstufen, die leichten Sandalen klapperten, und das Echo des Gewölbes warf ihren Klang hin und her und zu ihm zurĂŒck. Tief unter der Erde gab es nur selten etwas zu tun fĂŒr das Echo. Hier war es still wie in einem Grab, oder stiller, denn die Toten schliefen nur. Doch es gab diese Treppe, und ebenso selten, wie jemand sie hinaufstieg in die Welt des Lichtes und der Farben, kam es vor, dass jemand sie hinunterstieg, oder, noch seltener, hinunterhĂŒpfte.
Der Junge war zu klein fĂŒr Vorsicht, zu dumm oder zu mutig. Es machte ihm nichts aus, dass die Stufen so alt und krumm waren wie die Gruft selbst, dass die Zeit, die von der Schriftrolle abperlte wie Wasser von einem BlĂŒtenblatt, ihren Zahn umso mehr an ihnen ausgelassen hatte. Ausgetreten waren sie aus jenen Tagen, als es noch ein reges Kommen und Gehen gab -, lange vergangene, lange vergessene Zeiten, Ă€lter, als sich auch nur die Schriftrolle erinnern konnte - von FĂŒĂŸen, die nicht zu Menschen gehörten. Sie fĂŒhrten in das Reich des Steins, die Welt der Steinernen WĂ€chter, deren Heimat dort unten lag und ihr ganzes Leben, Aufgabe, als die Schriftrolle zu beschĂŒtzen vor der Welt, und die Welt vor der Schriftrolle.


Fazit:
Hach, so schwer es mir im Allgemeinen mit dem Lesen gefallen ist (abgesehen von LTBs, waren wohl fĂŒr mein Hirn das einzige, das es annehmen wollte in den letzten Wochen), so leicht fĂ€llt mir die Entscheidung, was das Buch angeht. Zwar hat mir nicht jede Passage und jede Szene gefallen, aber das muss es auch nicht. Auf jeden Fall hat es mir gefallen und es ist eines der wenigen BĂŒcher, da wusste ich: Das behalte ich auf jeden Fall! Und ich möchte auch den Fortsetzungsband lesen, wenn er nĂ€chstes Jahr herauskommt! Ich muss einfach wissen, wie es weitergehen wird. Besonders oder gerade wegen dem Ende, diesem Plotttwist ... hilfe, ich weiß nicht, wie es da den anderen Teilnehmern der Leserunde ging, aber fĂŒr mich war das nicht wirklich offensichtlich, dass das, was da passiert ist, passieren wĂŒrde. Vielleicht habe ich auch einfach Zeichen ĂŒbersehen, aber dafĂŒr bin ich nun mal blind. Auch nicht schlecht, denn ich saß beim Lesen da und dachte mir nur: OMGWAS?! Jedenfalls, ich freue mich wie gesagt auf Band 2 und möchte mich an dieser Stelle bei allen verantwortlichen Personen, wie der Autorin, dem Verlag und auch Lovelybooks, dass ich ein Teil dieser Leserrunde sein durfte und auch das Buch lesen konnte. Ich glaub, ich hatte noch nie so viel Spaß und RedebedĂŒrfnis, wie bei dieser Leserunde. Insgesamt vergebe ich an das Buch 4 Rubine und spreche auch eine deutliche Leseempfehlung aus - allerdings sollte sich hier jeder und jede seine eigene Meinung dazu bilden, aber davon gehe ich jetzt einfach mal aus, dass das ohnehin passieren wird ;-)








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Quelle:
Selbst geschossen

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