Sonntag, 28. Januar 2024

[Rezension #271] Die Beutelschneiderin

 

 

Titel: Die Beutelschneiderin

Autor*in: Helga Glaesener

Erschienen in Deutschland: 2015

Originaltitel: -

Erschienen in -: -

Übersetzer*in: -

 

 

Weitere Informationen:

Genre: Historisch, Drama, Action

Preis: € 19,99 [D] | € 20,00 [A]

Seiten: 428

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-471-35101-7

Verlag: List / Ullstein Buchverlage GmbH

 

Inhalt:

Das Leben in NĂŒrnberg im Jahr 1522 ist nicht einfach, schon gar nicht fĂŒr eine obdachlose Waise. Doch Cressi Nabholz hat GlĂŒck, der gutmĂŒtige Gauner Utz nimmt sie unter seine Fittiche und weiht sie in das Geheimnis des Stehlens ein. Und die schlaue Cressi beherrscht das Handwerk schon bald perfekt. Niemand ist besser als sie, wenn es darum geht, zwischen Menschen hindurch zu schlĂŒpfen und diese von ihren Geldbeuteln zu befreien. Doch da wird sie verraten und zur VerstĂŒmmelung durch den Henker verurteilt. Der junge Geistliche Davd rettet sie in letzter Minute. Zur Besserung steckt er Cressi in ein Kloster. Schon bald flieht sie aus dem öden Alltag und taucht in WĂŒrzburg unter. Ihr Herz schlĂ€gt höher, als sie dort wieder auf David trifft. Aber irgendwas stimmt nicht. Kurz darauf wird David ĂŒberfallen und verschwindet spurlos. WĂ€hrend David um sein Überleben kĂ€mpft, versucht Cressi, das Leben als Gaunerin hinter sich zu lassen.

 

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

Das Buch hier habe ich mir auch damals in der Bibliothek ausgeliehen, ich hatte es eher zufÀllig gesehen und da ich diese Art von Romane gerne lese, dachte ich mir: Hey, warum nicht? Auch fand ich den Titel und die Beschreibung sehr ansprechend. Daher hatte ich es einfach mal mitgenommen und, sobald ich dazu kam, auch gelesen. Und anfangs hat es mir auch ziemlich gut gefallen. Leider nur anfangs, denn das Buch wurde in meinen Augen leider schlechter und hat dann spÀtestens ab der HÀlfte total abgebaut.

Den Teil, vom Anfang bis zu dem, dass sie in WĂŒrzburg untertaucht, fand ich alles noch vollkommen in Ordnung und interessant. Fast alles, was dort passiert, kam mir realistisch und nachvollziehbar vor. Nur, dass die Nonnen sie wegen einer Kleinigkeit in eine Art Kerker werfen und dann irgendwann einfach vergessen, fand ich total seltsam. Klar, es kam wĂ€hrend Cressis Kerkerzeit zu einem schlimmen Zwischenfall. Aber dennoch, sie kĂŒmmerten sie schon davor kaum um sie und danach wirkte sie wie komplett vergessen. Dass sie von dort abhaut, kann ich also verstehen. Bzw konnte ich da zum ersten Mal verstehen. Davor hatte sie endlich mal ein gutes Leben, aber ne, sie wollte lieber zurĂŒck auf die Straße, zurĂŒck zu Utz und zum Leben als Diebin. Warum auch immer. Sie hat es zwar begrĂŒndet, aber ich habe es nie wirklich nachvollziehen können.

Überhaupt kam ich mit der Charakterin nicht immer klar. Sie zieht das Leben in Armut, Dreck und Gefahr einem, nun, besseren und schöneren Leben vor. Warum? Weil Utz in dem schönen Leben nicht dabei war. So richtig habe ich nicht rauslesen können, wie alt Utz ist. Zuerst dachte ich, er wĂ€re deutlich Ă€lter als sie, dann dachte ich zwischenzeitlich, die beiden haben so in etwa das gleiche Alter ... und dann war ich mir so gar nicht mehr sicher. Er wirkte wie ihr Bruder, ihr Vater, ihr Onkel und ihr Liebhaber gleichzeitig. Nicht, dass die beiden was hatten, aber diese schon leicht ungesunde Fixierung, die sie hatten, haben mich doch sehr stark verwirrt.

Jedenfalls, dass sie in dem Kloster wichtige Grundlagen lernt, wie Rechnen und Schreiben, finde ich super. Und auch die Wirkung, die da alles auf sie hatte. Kaum hatte sie mit dem Lernen angefangen, merkte sie, welche TĂŒren und Toren sich dafĂŒr fĂŒr sie öffnen wĂŒrden. Sie war nicht mehr limitiert in ihren FĂ€higkeiten, sondern erkannte, was sie sonst noch machen könnte, außer Betrug und Diebstahl. Gut, das was sie hinterher gemacht hat, war auch nicht ganz legal, war aber auch ein Ergebnis der Zeit, in der sie lebte. Frauen hatte man dort noch nicht so ganz ernst genommen und Utz hat dafĂŒr seinen Nacken hingehalten. Sie hatte nĂ€mlich eine Art SchreibbĂŒro in seinem Namen aufgemacht und so getan, als wĂ€re sie nur seine Assistentin, die aushilft, weil er grad keine Zeit hat. In diesem SchreibbĂŒro haben sie Briefe, VertrĂ€ge etc geschrieben fĂŒr die Menschen, die es nicht konnten.

Und damit hat sie ihr Leben finanziert, sie hatten ein festes Dach ĂŒber dem Kopf, sie hatten Essen, es ging ihnen den UmstĂ€nden entsprechend gut ... dass sie das dann spĂ€ter einfach weggeworfen haben, um woanders zu leben, verstehe ich bis eben nicht. Wenn sie dabei versucht hĂ€tten, ihr Leben nochmal zu verbessern, dann hĂ€tte ich es ja verstanden. Aber genau das haben sie ja nicht getan.

Wie es danach weiterging, hat mir aus mehreren GrĂŒnden nicht gefallen. Der erste Grund ist David. Man liest die Geschichte nicht nur aus Cressis Perspektive, sondern hin und wieder auch aus der Perspektive von David und in der ersten HĂ€lfte des Buchs fand ich ihn ziemlich sympathisch, seine Ansichten und Meinungen sind nachvollziehbar. Dann erbt er eine Art Grafschaft mit einer großen Gegend und wird immer seltsamer, immer unfreundlicher und ekelhafter. Allein, wie er dann mit seiner Umgebung umgeht - als wĂ€re er ein vollkommen anderer Mensch.

Er und Cressi verlieben sich quasi instant ineinander und das ist der zweite Punkt, der mir nicht so gefallen hat. Man merkt erstmal nicht wirklich, dass die beiden Interesse haben bzw Cressi vllt so ein bisschen, aber irgendwann sind sie einfach zack, bumm, verliebt und dann auch sofort ein Paar. Dass das Davids Gesellschaft am Hof nicht so ganz passt, ist den beiden egal und das war einer der wenigen Punkte, die ich zu dem Zeitpunkt noch an ihnen mochte.

Ansonsten ging es total verwirrend weiter, irgendwelche AufstĂ€nde und KĂ€mpfe kamen, die dann mehr oder weniger positiv beendet werden konnte. Am Ende heiraten sie dann auch noch instant, weil sie schwanger war und das Kind mehr oder weniger grad auf dem Weg zur Welt war... aber zu dem Zeitpunkt hatte ich schon lĂ€ngst keinen Spaß mehr am Lesen, schon lange nicht mehr. Ich habs einfach nur fertig gelesen, weil hey, eine HĂ€lfte hatte ich ja schon hinter mir, so dick war das Buch jetzt auch nicht und ich hatte die Hoffnung, dass das Buch doch noch die Kurve kriegt. Hat es leider nicht.

Oft genug hatte ich auch das GefĂŒhl, als wĂŒsste die Autorin nicht, in welche Richtung die Story gehen soll und das merkt man ihr auch an. So mancher Part wirkt wie nichts ganzes und nichts halbes.

 

Fazit:

Das ist eines dieser BĂŒcher, da hĂ€tte ich gerne vorher gewusst, dass es mir erst gefallen und mich dann enttĂ€uschen wird. Zum GlĂŒck habe ich dafĂŒr kein Geld ausgegeben, denn das hĂ€tte mich dann doch schon geĂ€rgert. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob meine Meinung nicht von dem Iny Lorentz Buch beeinflusst sein könnte, das ich davor gelesen habe. Aber selbst jetzt, nachdem das Ganze ĂŒber ne Woche her ist, hat sich meine Meinung nicht geĂ€ndert. Klar, ich werde anderen BĂŒchern dieses Genres eine Chance geben, aber bei der Autorin werde ich es mir ehrlich gesagt nochmal ĂŒberlegen.

Von mir bekommt das Buch insgesamt zwei Sterne. Schade, hier wurde so manches verschenkt.

 


 

 

 


 

Quelle:

Foto: Selbst geschossen

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