
Titel: Die Gesichter des Mithras
Autor*in: Sami Eriksson
Erschienen in Deutschland: 2025
Originaltitel: -
Erschienen in -: -
Ăbersetzer*in: -
Preis: € 14,99 [D] | € 15,50 [A]
Rom im Jahr 190 nach Christi Geburt. Das Weltreich ist gezeichnet von religiösen und gesellschaftlichen GegensĂ€tzen, die sich unter Kaiser Commodus weiter zuspitzen. Im fernen Dalmatien verliebt sich der Sklave Lucius in die Tochter eines alten Adelsgeschlechts. Als das unwahrscheinliche Paar ein Kind erwartet, gerĂ€t ihre Romanze unter den Einfluss einer uralten Macht aus dem Orient. Zwei Jahrtausende spĂ€ter macht die deutsche NachwuchsarchĂ€ologin Nora wĂ€hrend einer Ausgrabung auf dem Balkan eine sensationelle Entdeckung. Sie stöĂt auf ein verborgenes Mithras-Heiligtum und erwecckt dadurch das tödliche Grauen aufs Neue, das Lucius' und ihr Schicksal miteinander verbindet.
Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Diesen Band hier habe ich im letzten Monat als Rezensionsexemplar bekommen und dafĂŒr möchte ich mich an der Stelle dieses Mal bei Annika vom Literaturtest bedanken, dass sie mir dieses Buch per Mail vorgeschlagen hatte und ich es auch lesen durfte. Ich bin ja u.a. ein Fan von solchen "geteilten Timelines", also wenn ein Buch in mehreren Zeiten stattfindet, meistens ja Gegenwart und Vergangenheit. Wenn man Dinge in der Gegenwart sieht und dann durch die Vergangenheit herausfindet, warum etwas so ist, wie es in der Gegenwart ist. Oder wie es zu gewissen Entwicklungen gekommen ist.
Wieder einmal gilt die normale Regel: Nur, weil ein Buch ein Rezensionsexemplar ist, werde ich mich nicht nicht in meiner Meinung dazu beeinflussen lassen und offen sagen, was ich darĂŒber denke, was mir so beim Lesen durch den Kopf gegangen ist.
Wie man schon in der Beschreibung sehen kann, folgt man dem Leben von zwei verschiedenen Personen, die auf dem ersten Blick nichts gemeinsam haben. Da ist auf der einen Seite Lucius, der 190 nach Christus in Dalmatien lebt, auf der anderen Seite Nora, welche 2018 in Bosnien und Herzegowina unterwegs ist, zusammen mit ihrem ArchÀologenteam. Allerdings, wenn man den beiden so durch ihr Leben folgt, bzw durch einen lÀngeren Lebensabschnitt von Lucius, als von Nora, findet man doch mehrere Parallelen. Aber auch GegensÀtze.
Beide haben es nicht leicht im Leben, beide haben Schwierigkeiten, mit denen sie zurechtkommen mĂŒssen. Beide haben einen Partner, den er/sie lieben. Aber beide bekommen auch eine richtig groĂe Chance im Leben, die sie ergreifen könnten. Die gröĂte Gemeinsamkeit ist jedoch die Tatsache, dass beide einen Sohn haben bzw bekommen, und dass beide Söhne blind auf die Welt kommen. Das ist zu keiner Zeit einfach, fĂŒr die Familien und in beiden FĂ€llen werden auch Lösungen angeboten, um das Problem zu beheben. Ob sie diese nutzen oder nicht, und was diese Lösungen jeweils sein sollen, darauf möchte ich aus SpoilergrĂŒnden nicht eingehen.
An sich fand ich die beiden Stories ziemlich interessant. Lucius war mir richtig symphathisch, und ich hatte mir die ganze Zeit fĂŒr ihn erhofft, dass er ein besseres Leben bekommt bzw als er es dann hat, es dann auch behalten kann. Als das mit dem blinden Sohn passiert ist, konnte ich seine Zerrissenheit verstehen, vor allem, da er nicht wollte, dass sein Sohn ein schlechtes Leben hat. Klar, ich bin nicht mit all seinen Entscheidungen einverstanden, aber bei ihm kann ich sie alle nachvollziehen.
Bei Nora tat ich mir tatsĂ€chlich schwer, denn manche Entscheidungen fand ich einfach ... seltsam. Da gab es fĂŒr mich persönlich keinen nachvollziehbaren Grund. Am meisten tat ich mich schwer, wenn es um ihr Verhalten gegenĂŒber ihrem Partner ging. Sie hat sich oft einfach viel Zeit genommen, wenn es darum ging, ihn zu irgendwas zu kontaktieren. Aber ich hatte auch generell nicht wirklich das GefĂŒhl, als wĂŒrden die beiden miteinander kommunizieren, sondern mehr aneinander vorbei. Auch kam es jetzt nicht so rĂŒber, als wĂŒrde Nora ihren Partner lieben. Sie sind rĂ€umlich voneinander getrennt, aber sie scheint ihn nicht zu vermissen. Und als sie dann herausfindet, dass sie schwanger ist, braucht sie erstmal zig GrĂŒnde, um es ihm erstmal noch nicht zu erzĂ€hlen. Bzw braucht ewig, bis sie es ihm erzĂ€hlt, begrĂŒndet es aber nicht mit Ăngsten oder so. Sondern, weil ihr erstmal 1000 andere Dinge wichtiger sind. Weil ihr grad nicht danach ist. Beide haben Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen soll, beide planen, ohne sich erstmal mit dem anderen abzusprechen und stellen sich dann vor (fast) vollendeten Tatsachen. Fand ich ehrlich gesagt unangenehm.
Gut, wie das zwischen den Paaren dann ausgegangen ist, fand ich auf der einen Seite tragisch, auf der anderen Seite aber auch schmerzhaft. Bei beiden Paaren.
Was mir auch ein wenig gefehlt hat, bzw vielleicht habe es auch nur nicht gesehen, weil ich gerne mal ein Depp bin: Der Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten, abgesehen von dem Tempel und dem blinden Kind. Ist das blinde Kind von Nora quasi die Wiedergeburt vom blinden Kind von Lucius? Oder ist es einfach nur Zufall? Das kam mir nicht zu 100% klar rĂŒber, aber ja, es könnten auch einfach nur ich und mein einfacher Verstand sein. Wenn es da mehr Verbundenheit zwischen den beiden gegeben hĂ€tte, oder mehr offensichtliche Parallelen, das hĂ€tte mir persönlich recht gut gefallen. Aber so an sich fand ich die beiden Storys sehr spannend. Dass ich so lange gebraucht habe, das Buch zu lesen, lag an externen / anderen GrĂŒnden.
Auch das Buch hat mir sehr gut gefallen und wenn ich es mal geschafft habe, zum Lesen zu kommen, dann hatte ich immer viel SpaĂ beim Lesen. Und auch hier bin ich dankbar, dass ich die Gelegenheit ĂŒberhaupt dazu hatte, weil so an sich wĂ€re ich vermutlich nie auf das Buch gestoĂen. Bin ich aber :-)
Von mir bekommt das Buch ingesamt vier Sterne und eine Lese-Empfehlung, holt es euch und macht euch ein eigenes Bild davon^^

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