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Swinub - Pokemon

Donnerstag, 10. Mai 2018

[Rezension #72] Die Wanderhure



Name: Die Wanderhure
Autor: Iny Lorentz
Genre: Mittelalter, Drama
Preis: € 8,95
Seiten: 607 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN: 3-426-62934-8
Verlag: Knaur Verlag




 R├╝ckentext:
Die grausame Welt des Mittelalters und der Kampf einer Frau um ihr pers├Ânliches Gl├╝ck.

Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der sch├Ânen B├╝rgerstochter Marie anh├Ąlt, kann ihr Vater sein Gl├╝ck kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Verm├Âgen seiner k├╝nftigen Frau geht und dass er daf├╝r vor keinem Verbrechen zur├╝ckschreckt. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das M├Ądchen zur Stadt hinaus treibt. Um zu ├╝berleben, muss sie ihren K├Ârper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf ...

Meinung (Achtung, m├Âglicherweise Spoiler!):
Zwar habe ich schon vorher etwas von dem Namen "Iny Lorentz" und auch von dem Buch hier etwas geh├Ârt, allerdings kannte ich beides nur vom Namen her. Auch kenne ich den Film zum Buch nicht, sprich, ich hatte keine Ahnung, was mich da eigentlich ├╝berhaupt erwarten w├╝rde. Ich war zwar schon eine l├Ąngere Zeit neugierig, habs dann aber nie wirklich umgesetzt, bis ich mir dann einfach mal spontan das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen habe. Und das Buch hat mir richtig gut gefallen, auch, wenn ich eine l├Ąngere Zeit daran gelesen habe. Da ich mich in dem Thema Mittelalter jetzt nicht so gut auskenne und ich meine Kenntnisse sowohl im Geschichtsunterricht vor sehr vielen Jahren, wie auch aus "Assassin's Creed 2" und seine zwei Nachfolger bekommen habe, kann ich jetzt nicht sagen, wie authentisch und wahrheitsgetreu das Buch nun ist. Aber nach diesem Punkt bewerte ich es auch nicht, immerhin dient es ja der Unterhaltung und es wirkt authentisch genug f├╝r meine pers├Ânlichen Verh├Ąltnisse. Daher gehe ich jetzt mal nicht so streng auf diesen Punkt ein, eben, weil ich auf andere Dinge wert lege.
Und zwar gef├Ąllt mir, dass sich nicht nur die Wanderhure Marie auf ... nun, Wanderschaft begibt, sondern auch die Geschichte selbst. Man bleibt als Leser mit ihr nicht auf einer Stelle, sondern sieht viele verschiedene Orte und Szenarien, des ├Âfteren kam mir das Ganze nicht wie eine gerade Stra├če vor, sondern wie ein B├Ąchlein, das mal gerade flie├čt, bis eine kleine Kurve kommt. Der Erz├Ąhlstil wirkte hier und da ein wenig ... umgangssprachlich, aber mich hat es nicht sonderlich gest├Ârt, vor allem, da es nicht allzuh├Ąufig vorkam. Auch musste man sich immer wieder mit Irrungen und Wirrungen auseinandersetzen, zumal nichts ewig so blieb, wie man es am Anfang vermutet h├Ątte. Wie im echten Leben ist hier alles einem st├Ąndigen Wandel untergeordnet, es gibt nur ein paar wenige Punkte, die sich durch das komplette Buch hindurch nicht ge├Ąndert haben. Auch bewundere ich Marie, wie sie in den Jahren ihr Schicksal akzeptiert hat und gelernt hat, mit ihrem Schicksal zu leben, so schrecklich es auch ist. Man lernt gute und schlechte Menschen kennen, deren Handlungsgr├╝nde man nicht immer nachvollziehen kann. Was man aber nachvollziehen kann, ist das Verhalten und das Innenleben von Marie und ihrer Begleiterin. Ein paar Mal habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich gefragt habe: Was w├╝rde ich an ihrer Stelle machen? W├╝rde ich genauso handeln? Oder vielleicht anders? Trotz ihrer Erfahrungen und all dem, was sie erlebt hat, hatte ich jetzt nicht den Eindruck, dass sie f├╝r immer abstumpfen w├╝rde, sondern nur, wenn es die Situation erfordert.
Leider habe ich mich beim Lesen nicht allzusehr f├╝r die jeweiligen Territorienk├Ąmpfe und auch die Konflikte um Land, Macht und Geld interessiert, sodass ich diese Teile mit eher schwachem Interesse gelesen habe. Also warum Graf X Land Y unbedingt haben will und wer welche Intrige schmiedet, einfach, da sie keinen Bezug zur Geschichte hatten oder zumindest soweit vertreten waren, dass es mich gek├╝mmmert h├Ątte. Die ganze Zeit ├╝ber habe ich mich gefragt, wie es nun mit Marie weitergeht, wohin sie kommt und ob sie die Gerechtigkeit erhalten wird, die sie sich so sehr erhofft. Ein paar Mal hatte ich schon die Vermutung, wie es ausgehen k├Ânnte, aber dann hat es das Buch jedes Mal geschafft, mich zu ├╝berraschen, indem es sich an seinem Titel gehalten hat. Indem es wie das oben beschriebene B├Ąchlein war. ├ťber das Ende m├Âchte ich nicht so viel verraten, aber sagen wir es mal so: Ich war hinterher zufrieden.

Der Stil an sich hat mir sehr gut gefallen und es hat mir Spa├č gemacht, das Buch zu lesen, auch, wenn ich daf├╝r ewig gebraucht habe, was aber andere Gr├╝nde hatte. Auf jeden Fall war das Buch wie eine Art Eintopf, an dem man gut und gerne mal ne Woche lang essen kann.


Leseprobe:
Marie schl├╝pfte schuldbewusst in die K├╝che zur├╝ck und versuchte, unauf├Ąllig wieder an ihre Arbeit zu gehen. Wina, die Haush├Ąlterin, eine kleine, breit gebaute Frau mit ienem ehrlichen, aber strengen Gesicht und bereits grau werdenden Z├Âpfen, hatte ihr Fehlen jedoch schon bemerkt und winkte sie mit tadelnder Miene zu sich. Als Marie vor ihr stand, legte sie ihr die Hand auf die Schulter und seufzte tief.
Seit Meister Matthis' Ehefrau im Kindbett gestorben war, hatte Wina versucht, dem M├Ądchen die Mutter zu ersetzen. Es war nicht einfach gewesen, den richtigen Weg zwischen Nachsicht und Strenge zu finden, aber bisher war sie mit Maries Entwicklung zufrieden gewesen. Aus dem neugierigen und oftmals viel zu ├╝berm├╝tigen Kind war eine gehorsame und gottesf├╝rchtige Jungfer geworden, auf die ihr Vater stolz sein konnte. Seit dem Tag allerdings, an dem Marie erfahren hatte, dass sie verheiratet werden sollte, war sie wie ausgewechselt. Anstatt vor Freude singend und tanzend durchs Haus zu springen, tat sie ihre Arbeit mit m├╝rrischem Gesicht und benahm sich so wild wie ein F├╝llen, dem man zum ersten Mal Z├╝gel anlegen wollte.
Andere M├Ądchen jubelten, wenn sie erfuhren, dass ein Mann aus angesehener Familie um sie warb. Marie hatte jedoch v├Âllig verst├Ârt reagiert, so als f├╝rchte sie sich vor dem wichtigsten Schritt im Leben einer Frau. Dabei h├Ątte sie es kaum besser treffen k├Ânnen. Ihr Zuk├╝nftiger war Magister Ruppertus Splendidus, der Sohn eines Reichsgrafen, wenn auch nur von einer leibeigenen Magd. Trotz seiner Jugend war er ein bekannter Advokat, dem eine gl├Ąnzende Zukunft bevorstand.
Wina nahm an, dass der hohe Herr Marie gew├Ąhlt hatte, weil er eine Frau ben├Âtigte, die tatkr├Ąftig genug war, ein gro├čes Haus mit vielen Bediensteten zu f├╝hren. Dieser Gedanke machte sie stolz, denn sie hatte Marie dazu erzogen, selbst├Ąndig zu handeln und sich vor keiner Arbeit zu scheuen. Das brachte sie wieder in die Gegenwart zur├╝ck. Die Vorbereitungen f├╝r die Hochzeit waren noch lange nicht abgeschlossen, und es wurde schon Nacht. Schnell dr├╝ckte sie Marie eine Teigsch├╝ssel in die Hand.
"Hier, r├╝hr das gut. Es d├╝rfen sich keine Klumpen bilden. Sag mal, wo warst du ├╝berhaupt?"
"Im Hof. Ich wollte ein wenig frische Luft schnappen." Marie senkte den Kopf, damit Wina ihre abweisende Miene nicht wahrnahm. Die alte Frau w├╝rde ihr sonst nur weitere Vorw├╝rfe machen oder ihr einen mit verwirrenden Andeutungen gespickten Vortrag ├╝ber eheliche Pflichten halten.


Fazit:
Das Buch ist jetzt nicht gerade perfekt, aber gibt es ├╝berhaupt perfekte B├╝cher? Nein und das m├╝ssen sie auch nicht sein. Auf jeden Fall m├╝ssen sie Spa├č machen und bei diesem Buch hier hatte ich Spa├č, dass ich daf├╝r Wochen gebraucht habe, lag einfach daran, dass ich allgemein in der Zeit nur wenig Lust aufs Lesen bekommen habe. Zum Gl├╝ck konnte ich das Buch aber lange genug ausleihen, bis ich wieder Lust aufs Lesen bekommen habe. Es ist der erste Teil einer mehrteiligen Serie und ich bin auch schon dabei, mir den zweiten Band auszuleihen. Mir hat das Buch gut gefallen und ich freue mich schon darauf, den n├Ąchsten Teil zu lesen. Nur manchmal habe ich mich mit Maries Motivation schwer getan, sie zu verstehen. Auch war sie ein wenig sprunghaft - aber dann kam in mir die Frage auf: Und wie w├╝rde ich handeln? Hat mich doch ein wenig zum Nachdenken gebracht. Von mir bekommt das Buch insgesamt 4 Rubine.






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Quelle:
Selbst geschossen

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