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Dienstag, 4. September 2018

[Rezension #81] Sleeping Beauties



Name: Sleeping Beauties
Autor: Stephen King, Owen King
Genre: Horror, Mystery, Gesellschaftskritik
Preis: € 28,00
Seiten: 959 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2017
ISBN: 978-3-453-27144-9
Verlag: Heyne Verlag




Beschreibung:
Die Welt sieht sich einem faszinierenden PhĂ€nomen gegenĂŒber. Sobald Frauen einschlafen, umhĂŒllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurĂŒckgebliebenen MĂ€nner ĂŒberlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenĂŒber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein DĂ€mon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines StĂ€dtchen in den Appalachen, wo ein FrauengefĂ€ngnis den grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber stellt.


Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Ohje, ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Vor ein paar Wochen habe ich von dem Buch erfahren, da war es ja auch irgendwie gefĂŒhlt ĂŒberall in aller Munde. Aber auch, weil ich ein großer Fan von Stephen King (wenn auch nicht von all seinen BĂŒchern) bin, war ich auf das Buch neugierig. Dass er das Buch zusammen mit seinem Sohn geschrieben hat, hat mich ebenfalls neugierig gemacht. Man erkennt so gut wie gar nicht, oder zumindest ich nicht, wer welchen Teil des Buches geschrieben hat, ich kann also nicht genau sagen, welcher King hier was gemacht hat. Auch finde ich die Idee gut, dass alle Frauen auf der Welt das Opfer einer seltsamen Schlafkrankheit werden und in einen Kokon gewickelt werden. Sobald sie jemand weckt oder versucht, den Kokon vom Kopf zu entfernen, verwandeln sich diese in grausame Opfer und bestrafen den ahnungslosen Menschen, der sie da gerade geweckt hat.
Allerdings ist hier nur die Idee gut, die Umsetzung hat mir nicht so gut gefallen. Nicht so gut, wie ich es mir erhofft hat.
Als mir mein Freund das Buch damals ausgeliehen und aus der Bibliothek mitgebracht hat, habe ich zum ersten Mal das Buch komplett gesehen und nicht nur das Cover wie bisher. Das Buch hat fast 1000 Seiten und ein dementsprechend dicker Schinken. Das schreckt mich im Normalfall nicht ab, denn auch dickere BĂŒcher können gut sein. Hier ist es allerdings nicht wirklich der Fall.

Das fĂ€ngt schon damit an, dass man das Buch öffnet und gleich mal mit drei Seiten konfrontiert wird, auf welchem die gesamten Personen, die im Buch vorkommen, aufgelistet werden. Ehrlich gesagt habe ich die Seiten ĂŒbersprungen, da ich mir so viele Namen auf einmal und beim ersten Mal nicht merken kann, hĂ€tte mich das nur verwirrt. Überhaupt habe ich diese Listen total ignoriert, aber ich bin mir nicht sicher, ob mir das im Laufe des Buches geholfen hĂ€tte. Denn es kamen soviele Personen im Buch vor, dass ich mich oft genug dabei erwischt habe, dass ich ĂŒberlegen musste: Wer war das nochmal? Welche Rolle spielt dieser Charakter in dem Buch? War dieser Charakter gut oder böse? Oder ĂŒberhaupt wichtig? Bei manchen Namen kam es mir leicht vor, bei anderen wiederum nicht. Es waren einfach zu viele Menschen, meiner Meinung nach hĂ€tte es auch die HĂ€lfte oder ein Drittel davon getan und die Geschichte wĂ€re immer noch spannend gewesen. Einfach ein paar Menschen aus jeder der Brandecken, in denen die Geschichte gespielt hat und damit wĂ€re locker auch gewesen. So sieht man an ein paar Stellen eine kleine Auflistung von Charakteren, die dann nur fĂŒr ein paar Sekunden eine Rolle spielen. Man baut also keine Beziehung zu ihnen auf, man erfĂ€hrt einfach von ihnen und dann vergisst man sie wieder. Auch werden am Anfang drei Orte erwĂ€hnt, allerdings wird die Handlung dann irgendwann auf einen der drei Orte reduziert, was ich persönlich gut finde. So kommt man nicht durcheinander, wo man sich denn gerade befindet.

Was mir auch nicht ganz klar ist, ist das Motiv der meisten Charaktere. Einer will seine Tochter retten, greift aber zu radikalen Mitteln. Einer Frau geht es Ă€hnlich und ein Teenie versucht so viele Frauen zu retten wie er kann. Aber sonst erscheinen mir die Motive zu schwammig. Auch wird nicht genau erklĂ€rt, was es mit Evie auf sich hat, was ich ziemlich schade finde. So wird eine Art Parallelwelt gezeigt, fremdartige Magie (erscheint mir als das beste Wort dafĂŒr) und auch andere Zeichen fĂŒr etwas, was nicht normal und irdisch ist, aber es wirklich nicht darauf eingangen. Zumindest nicht in dem Sinne, dass es einem genau erklĂ€rt wird. Das finde ich ein wenig schade, denn so passiert es halt einfach und ja, passt schon. Warum und wieso, muss man nicht genau wissen. Auch gegen Ende wird nicht alles genau erklĂ€rt und ich werde das GefĂŒhl nicht los, als hĂ€tten sich die beiden wĂ€hrend des Buches zu viel Zeit gelassen, weshalb sie am Ende auf einmal ein ordentliches Tempo einlegen mussten.

Was mir auch nicht gefallen hat, war die Message, die das Buch wohl versucht zu ĂŒberbringen. Dass Frauen die Schlauen und die Guten sind, wĂ€hrend die MĂ€nner ohne ihre Frauen ins Chaos fallen und sich alle gegenseitig umbringen wollen. Dass sie den Frauen nur schaden und dass diese ohne MĂ€nner besser dran wĂ€ren. Was ich irgendwie ironisch finde, denn die beiden Autoren sind ja beides MĂ€nner ... ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Abgesehen davon finde ich es komisch, dass es nur unter den Frauen richtige Opfer gibt und nur unter den MĂ€nnern TĂ€tern. Selbst die weiblichen TĂ€terinnen werden so dargestellt, dass man mit ihnen Mitleid haben soll. Zwar gibt es auch einen mĂ€nnlichen Charakter, der ein schlimmes Leben hinter sich hat, aber es wird nicht nĂ€her erlĂ€utert. Vermutlich, damit man mit ihm kein Mitleid hat, weil er ja keine Frau ist. Außerdem, seit ich mal mehrfach von einem Experiement gehört habe, kam mir ein Teil im Buch ziemlich seltsam vor. Bei diesem Experiment wurden eine MĂ€nnergruppe und eine Frauengruppe auf eine einsame Insel ausgesetzt. WĂ€hrend die MĂ€nner sich gleich darum machten, dass man sich um Nahrung und einen Unterschlupf kĂŒmmert, haben sich die Frauen lieber an den Strand gelegt und sich ein Sonnenbad gegönnt. Doch kaum wurde es Abend, waren diese wie die Pudel im Regen dargestanden. NatĂŒrlich gibt es einen Unterschied zwischen einem realen Experiment und einem Roman, dennoch kam es mir wie ein weiterer Teil der versteckten Botschaft drin vor. Wenn ich den Autoren nicht kennen wĂŒrde oder nicht gewusst hĂ€tte, von dem das Buch geschrieben ist, hĂ€tte ich vermutet, dass es ein SJW-Buch ist. Eins, das sagt, wie gut die Frauen sind und wie böse die MĂ€nner.

Zum Buch selbst, es ist ok geschrieben, aber es sind wie gesagt viel zu viele Charaktere drin. Es ließt sich ziemlich gut und ich hab es auch durchgelesen, einfach, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht und wie es ausgeht. Allerdings war es sehr anstrengend, ich hab etwa zwei bis drei Wochen dafĂŒr gebraucht, es zu lesen. Nicht, weil ich es schwer zu verstehen war, ich kann es nicht genau begrĂŒnden. Es hat einfach an meinen Konzentrationsreserven genagt und oft musste ich nach rund 50-60 Seiten wieder aufhören und mir z.B. ein kleines Youtube-Video reinziehen, damit ich einfach wieder meinen Kopf leer bekomme und weiterlesen kann. Es ist zwar spannend, aber jetzt nicht sonderlich Herzklopfen-anregend-spannend. Allerdings muss ich dazu sagen, am Anfang hat es sich stark hingezogen. Danach wird es besser, aber man liest und liest und das Buch nimmt einfach kein Ende. Leider.


Leseprobe:
Der Falter bringt Evie zum Lachen. Er landet auf ihrem nackten Unterarm, worauf sie mit dem Zeigefinger leicht ĂŒber die brauenn und grauen Wellen streicht, die seine FlĂŒgel schmĂŒcken. "Hallo, mein HĂŒbscher", sagt sie zu dem Falter, bevor er wieder abhebt. Höher, immer höher steigt er in die Luft, bis er von einem Spalt Sonnenlicht zwischen den glĂ€nzenden grĂŒnen BlĂ€ttern verschluckt wird, sechs Meter ĂŒber der Stelle, an der Evie zwischen Wurzeln auf dem Bocken hockt. 
Ein kupferrotes Seil ragt aus der schwarzen Höhlung in der Mitte des Baumstamms und windet sich zwischen den Rindenschollen hindurch. NatĂŒrlich traut Evie der Schlange nicht. Mit der hatte sie frĂŒher schon Scherereien.
Ihr Falter und zehntausend weitere Motten stieben in einer knisternden, graubraunen Wolke aus dem Baumwipfel. Der Schwarm wĂ€lzt sich duch den Himmel auf die kĂŒmmerlichen Tannen zu, die auf der anderen Seite der Wiese stehen. Evie erhebt sich und folgt ihm. Unter ihren Schritten knirschen trockene StĂ€ngel, das hĂŒfthohe Gras kratzt an ihrer nackten Haut. WĂ€hrend sie zu dem traurigen, weitgehend abgeholzten Wand hinĂŒbergeht, nimmt sie die ersten chemischen GerĂŒche wahr - Ammoniak, Benzol, Petroleum und so vieles andere, zehntausend winzige Wunden auf einem einzigen Fleck Haut -, und da gibt sie die Hoffnung auf, deren sie sich gar nicht bewusst gewesen war.
Aus ihren Fußspuren quellen Spinnweben hervor und glitzern im Morgenlicht.


Fazit:
Wenn man jetzt nur rein vom ErzĂ€hl- und Schreibstil geht, dann ist das Buch ein typischer King. Man merkt es auch an der Art, wie die einzelnen Charaktere reden, agieren und denken, es einfach die typische King-Art. Ich kann es nicht genau sagen, aber es ist einfach eine eigene Art. Und wer schon mal das eine oder andere Kingbuch gelesen hat, weiß, wovon ich spreche. Auch finde ich es gut, dass er mit seinem Sohn zusammengearbeitet hat und man kann nicht genau erkennen, zu viel Prozent wer was beigesteuert hat, das ist auch gar nicht so wichtig, immerhin haben beide an dem Werk gearbeitet. Allerdings muss man auch die Story, die Spannung, die Motive, die Logik und die Charaktere betrachten - hier ĂŒberzeugt mich das Buch nicht. Wie auch die Tatsache, dass das Buch fĂŒr mich sehr anstrengend war, so dass ich mich oft gefragt habe, wann ich damit endlich fertig sein werde. Auch, dass ich oft genug ne Pause von dem Buch gebraucht habe, einfach, weil ich mich immer wieder erinnern und konzentrieren musste, spricht meiner Meinung nach nicht sehr positiv fĂŒr das Buch. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich es nicht nochmal lesen werde und bin auch froh, dass ich es mir nur ausgeliehen habe. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das ich jetzt nicht unbedingt in meiner Sammmlung haben möchte. Wem King bisher zu unheimlich war, wer einfach mal jedes Buch von ihm lesen möchte oder einfach mal was anderes von ihm als nur blanken Horror, der kann diesem Buch auf jeden Fall ne Chance geben. Ansonsten denke ich nicht, dass man das Buch unbedingt gelesen haben muss. Ingesamt bekommt das Buch von mir drei Rubine und ich bin sehr froh, dass ich es endlich hinter mir habe.








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Quelle:
Selbst geschossen
Hugendubel.de

Kommentare:

  1. Huhu Kira,

    schöne Rezension!
    Das Buch steht auf meiner WuLi. Ich lese sehr gerne Stephen King (auch wenn ich auch nicht alle seine BĂŒcher mag) und "Sleeping Beauties" klang nach etwas, das mir gefallen könnte. Aber deine Rezension klingt jetzt doch eher so, als wĂ€re es eher eines seiner mittelmĂ€ĂŸigen BĂŒcher... Also schnappe ich mir wohl doch erneut lieber das Hörbuch. :'D

    LG Alica

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    1. Hallo Alica^^

      Ich muss ganz ehrlich sagen, er hat schon deutlich bessere BĂŒcher geschrieben :/
      Wie das Hörbuch ist, weiß ich leider nicht, aber ich drĂŒcke dir die Daumen, dass das ein bisschen besser ist ;-)

      Lg,
      Kira

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