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Dienstag, 18. Dezember 2018

[Rezension #85] Bittere Schokolade



Name: Bittere Schokolade
Autor: Tom Hillenbrand
Genre: Wirtschaftskrimi
Preis: €11,00 [D] | €11,40 [A]
Seiten: 473
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2018
ISBN: 978-3-462-05073-8
Verlag: Kiepenheuer & Witsch




 Klappentext:
Eigentlich wollte der Luxemburger Koch Xavier Kieffer seine Jugendliebe Ketti Faber niemals wiedersehen - an ihre gemeinsame Zeit in Paris erinnert er sich nicht allzu gern zurĂŒck. Doch als die Patisseurin ihn einlĂ€dt, ihre neue Schokoladenmanufaktur in der NĂ€he von BrĂŒssel zu besichtigen, kann er nicht widerstehen. Kurz darauf wird Ketti ermordet. Als Kieffer zu ermitteln beginnt, kommt er einem Verbrechen von ungeheurem Ausmaß auf die Spur ...


Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
BĂŒcher und Schokolade - das sind zwei Dinge, die ich sehr gerne habe und die ich auch sehr gerne genieße. Als ich dann schließlich bei der Verlosung auf Lovelybooks das GlĂŒck hatte, gezogen zu werden, habe ich mich sehr gefreut. Auch, als das Buch wenige Tage spĂ€ter zusammen mit einer kleinen Tafel Edel-Bitter Schokolade bei mir zuhause angekommen war, war die Freude sehr groß. Leider hat sie dann beim Lesen des Buches doch etwas nachgelassen. Ich kann den Finger nicht genau drauflegen, aber ich versuche mal, ihn zumindest um die Punkte kreisen zu lassen, die mir gefallen haben - oder eben nicht.
Das hier ist mein erster Roman des Autoren und der 6. Band der Xavier-Kieffer-Reihe, auch ist es mein erstes Buch, welches in Luxemburg spielt. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe diesem Land bisher nie wirklich sonderlich Aufmerksamkeit geschenkt, könnte mir aber jetzt vorstellen, es mal zu besuchen und mir anzusehen. Auch wenn ich nicht immer mitgekommen bin, fand ich die Beschreibungen der Landschaften wie auch Xaviers Garten mit dem kleinen Fluss ziemlich schön. NatĂŒrlich erwarte ich nicht, letzteres im echten Luxemburg zu sehen, aber ich denke, ich bekomme trotzdem was gutes zu sehen.
Was auch recht oft in Erscheinung getreten ist, in fast jedem Kapitel, war die namensgebende Schokolade. Ziemlich oft nascht der Hauptcharakter das eine oder andere StĂŒck oder es geht nur darum, dass der Anbau oder die Herstellung der Schokolade erklĂ€rt wird. Hatte hier und da was von einem Sachbuch, aber das war die meiste Zeit trotzdem noch in Ordnung. Nur ganz selten hatte ich das GefĂŒhl, dass die Schokolade auf Teufel komm raus in die Szene integriert wird, so als mĂŒsste sie unbedingt drin sein, nur, weils im Titel steht.

Was ich auch interessant fand, waren die ganzen Namen der Gerichte, die Xavier in seinem Restaurant serviert bzw servieren lĂ€sst. Allerdings hat er selbst wohl kaum etwas in seinem eigenen Restaurant zu tun, die meiste Zeit bedient er seinen Freund aus Finnland oder hilft aus, wenn es mal in der KĂŒche brennt (sprichwörtlich). Ansonsten sieht man ihn viel mehr außerhalb seines Restaurants und er fĂ€hrt/fliegt gerne mal weg. Ich bin mir nicht sicher, ob man das als Besitzer und Chef eines gut laufenden Restaurants machen kann und sollte, aber er kann es offenbar. Auch gibt er nicht immer seinen Angestellten Bescheid, was jetzt auch nicht so gut ist.
Privat hat er leichte Probleme mit seiner Partnerin, bei der ich mir jetzt nicht sicher bin, ob die Beiden sich noch lieben oder ob das einfach nur noch Gewohnheit ist. Sie kĂ€mpft gerade um ihr Familienerbe, ein RestaurantfĂŒhrer und -kritiker, allerdings ist die Firma hier nicht mit der Zeit gegangen und ist nun von der Insolvenz bedroht. Doch wie auch die Freundin ist der Hauptcharakter wohl allem gegenĂŒber verschlossen, was neu ist. Er hat sich ein Smartphone gekauft und kann absolut nicht damit umgehen. Auch kann er nicht mit dem PC umgehen ... dass der Hauptcharakter auf alte Dinge versteift ist und sich mit neuer Technik oder ĂŒberhaupt mit neuen Dingen schwer tut, ist etwas, was ich leider sehr oft gesehen habe in Krimis. Irgendwie ist es ein beliebtes Klischee und manchmal kann ich es nachvollziehen, manchmal aber auch nicht. Hier konnte ich es weniger. Auch, dass die Freundin sich quer stellt bei den meisten Lösungen, die sich ihr bieten, ist mir die meiste Zeit schleierhaft geblieben, wie auch die Tatsache, dass diese Nebenhandlung im Grunde nichts mit der Story zu tun hat und erst groß aufgebauscht, aber dann wieder fallengelassen wird.

Nun ja, zurĂŒck zur Hauptgeschichte. An sich finde ich die Story ziemlich interessant, leider war sie insgesamt nicht so spannend, wie ich gehofft hatte. Xaviers Ermittlungsmethoden sind in Ordnung und ich finde es praktisch, dass er den einen oder anderen Kontakt hat, der ihm bei den Ermittlungen helfen kann. Allerdings wirkt das Buch ein wenig so, als könnte sich der Autor nicht entscheiden, was nun das wirkliche Motiv hinter dem Mord an der Ex des Hauptcharakters ist. Liegt es nun an dem Schmuggel? Wusste Ketti zu viel? Lag es an der Korruption? An den besonderen Kakaopflanzen? So wirklich sticht das fĂŒr mich nicht heraus, sobald sich ein Motiv herauskristallisiert hat, geht das Buch in eine andere Richtung, als wĂŒrde es sagen: Ja, das ist der Grund, aber eigentlich wiegt der folgende Grund noch schwerer. Wirkt nicht sehr ĂŒberzeugend, hier hĂ€tte man sich auf ein oder höchstens zwei Motive einigen können, das wĂ€re besser gewesen, als ein verwirrendes Chaos daraus zu machen. Apropos Chaos, das Ende wirkte sehr chaotisch, unĂŒbersichtlich und auch irgendwie unbefriedigend. Der Hauptcharakter bekommt von den meisten Dingen nichts mit, die betreffenen Personen kommen einfach so davon und die Ermittlung wird quasi unter den Teppich geschoben. Das erinnert mich an den einen Eberhofer-Fall, in dem Eberhofer die TĂ€terinnen am Ende auch entkommen, allerdings kam es dort etwas weniger verwirrend und auch etwas nachvollziehbarer rĂŒber als hier. Hier wirkte der Hauptcharakter wie jemand, der eigentlich nicht in die Szene gehörte und dann einfach zur Seite gewischt wurde, quasi der Deus ex machina fĂŒr die Bösewichte. Das fand ich am Ende nicht so prickelnd.

Der Schreibstil hat mir dagegen gut gefallen, das Lesen fiel locker und war auch sehr entspannend. Die ErklĂ€rungen waren bildhaft und verstĂ€ndlich. Das Titelbild war schön und ich habe auch das eine oder andere schokoladige Produkt beim Lesen verzehrt. Es liegt gut in der Hand und die SchriftgrĂ¶ĂŸe ist passend. Am Ende des Buches gibt es ein KĂŒchenglossar, in welchem alle Begriffe aufgezĂ€hlt und erklĂ€rt werden, besonders die Namen der luxemburgischen Gerichte. Ich kann mir sogar vorstellen, sollte ich wirklich irgendwann mal nach Luxemburg reisen, dass ich gucken werde, ob ich das eine oder andere Gericht finden und probieren kann. WĂ€re sicherlich interessant und wer weiß, möglicherweise schmecken sie mir sogar.


Leseprobe:
Capitaine Schiltz entfuhr ein lang gezogener Seufzer. Weder Lieutenant Krier noch Caporal Premier Classe Feretti bekamen etwas davon mit, der dröhnende Motor der Limousine ĂŒbertöhnte den Jammerlaut ihres Vorgesetzten. Bei dem Auto handelte es sich um einen Dailmer DS420, ein ebenso teures wie seltenes britisches Fabrikat. Der Wagen stammte aus den Siebzigern, die Sitze waren ziemlich durchgesessen. Nun ziepte Schiltz' RĂŒcken, genauer gesagt hatte er auf der ganzen Fahrt von Luxemburg bis BrĂŒssel geschmerzt. Lieber wĂ€re der Capitaine in einem stinknormalen Mercedes oder BWM gereist. Aber es gab nun mal AnlĂ€sse, zu denen etwas Besonderes hermusste, etwas Ausgefallenes. Das war der DS420 zweifelsohne. Die britische Queen besaß einen, und auch der Großherzog hatte das Modell zu Schiltz' Leidwesen im Fuhrpark.
Er schaute auf seinen Spickzettel. An diesem Morgen war der Botschafter der Republik des Befreiten Kongo dran. Ihm war wage bewusst, dass es mehrere Kongos gab, vermutlich drei. Er hÀtte allerdings nicht sagen können, wodurch sie sich unterschieden oder wie ihre Flaggen aussahen. Es machte nichts. Alles, was Schiltz wissen musste, war der Namen ihres Fahrgasts: Antoine-Desire Ibaka.
Die Weißen MĂ€use, so nannten sie die vorausfahrende Eskorte aus drei MotorrĂ€dern, bremsten ab. Durch die Scheibe des Fonds konnte er eine Truppe erkennen, die hinauf zum Eingang der Residenz fĂŒhrte. Dort stand ein Butler und wartete. Der Innentasche seiner Paradeuniform entnahm Schiltz einen Kuli und strich Ibakas Namen durch. Erneut seufzte Schiltz. Der Offizier verabscheute dieses ganze reprĂ€sentative Brimborium. Obendrein war er hungrig. Vor seinem geistigen Auge tauchte die erfreuliche Vision esin StĂŒcks KĂ©istaart auf. Daneben stand eine große Tasse heiße Schokolade.
>>Ech kéint een ëmbréngen fir e Schockelaskaffi<<, murmelte er.
Auf dem Beifahrersitz drehte sich Lieutenant Krier um und blickte ihn fragend an. Schlitz schĂŒttelte den Kopf und blickte ihn fragend an. Schiltz schĂŒttelte den Kopf und deutete auf die Residenz. Krier nickte und stieg aus. Schlitz tat es ihm nach. Sie stiegen die Treppe empor, der Lieutenant meldete sie an. Als NĂ€chstes wĂŒrden sie hineingehen und Monsieur Ibaka erklĂ€ren, dass seine Königliche Hoheit, der Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und so weiter geehrt wĂ€re, wenn Exzellenz ihm die Ehre erweisen wĂŒrde. Ibaka wĂŒrde sich erfreut zeigen und das Angebot auf der Stelle annehmen.


Fazit:
Ich war mir lange nicht sicher, welche Bewertung ich dem Buch geben soll, auch, weil es ein Geschenk war. Allerdings habe ich ein paar NĂ€chte darĂŒber geschlafen und ich denke, es bringt niemanden etwas, wenn ich es zu lasch, aber auch zu streng bewerte, einfach, weil ich es sonst auch nicht mache. Sondern so, wie es mein GefĂŒhl sagt und danach bin ich gegangen. Es hat viel tolles, aber am Ende fehlte dann doch hier und dort etwas, damit es ein vollmundiges Erlebnis werden konnte. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich noch ein zweites Mal zu dem Buch greifen werde oder nicht, aber das sehe ich ja dann. Ich habe noch so viele andere BĂŒcher, die ich noch lesen möchte und bis dahin ist sicherlich genug Zeit vergangen, dass ich mich entscheiden kann. Ich wĂŒrde jetzt nicht sagen, dass man es unbedingt gelesen haben muss, aber wenn jemand Interesse hat, dann soll er oder sie sich ruhig mal hineinlesen :-)
Insgesamt vergebe ich dem Buch 3 Rubine.








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Quelle:
Selbst geschossen

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