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Mittwoch, 29. April 2020

[Rezension #111] "Grund dafĂŒr sind Verzögerungen im Betriebsablauf"



Name: "Grund dafĂŒr sind Verzögerungen im Betriebsablauf
Autor: Maria Wiesner
Genre: Berichte
Preis: €10,00 [D] | €10,0 [A]
Seiten: 206
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2019
ISBN: 978-3-95967-346-4
Verlag: HarperCollins




RĂŒckentext:
"Ich hatte ja bislang geglaubt, dass es FahrplÀne bei der Bahn gibt."

VerspĂ€tungen, ZugausfĂ€lle, geĂ€nderte Wagenreihung - kein Unternehmen erregt den Unmut seiner Kunden so sehr wie die Deutsche Bahn. FAZ-Redakteurin Maria Wiesner hat die irrsten Erlebnisse Bahnreisender gesammelt: von achtstĂŒndigen VerspĂ€tungen, saunaĂ€hnlichen Großraumawagen, schnarchend-schmatzend Sitznachbarn bis hin zu Pendlern am Rande des Nervenzusammenbruchs. Survival Training inklusive. Absurd, komisch - und leider wahr!

"So standen wir alle. Und standen. Und standen."


Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Dieses Buch habe ich mir vor einer Weile mal geholt, als ich mal wieder zum Arzt musste und es ist eine schöne Tradition, dass ich mir vor oder nach dem Arztbesuch ein Buch kaufe. Hat was von einem Trostpflaster, irgendwie. Jedenfalls mag ich es, solche Geschichten von anderen Reisenden zu lesen, ob nun positiv oder negativ. Nun gut, zugegeben, die negativen Geschichten sind meist die interessanteren. Jedenfalls habe ich es damals ein StĂŒck weit gelesen und dann wieder vergessen. Es kamen auch noch andere BĂŒcher dazwischen, die dann wichtiger waren. Nun hab ich das Buch vor mehreren Wochen neu angefangen und dieses Mal auch zuende gelesen. Nun ist es eigentlich nicht das Werk von Maria Wiesner alleine, sie hat nicht nur ihre eigenen Erfahrungen in das Buch gesetzt, sondern viele andere Menschen auch. Das Buch ist in mehrere Kapitel aufgebaut, in dem einen geht es um darum, dass die Bahn nicht improvisieren kann; man bekommt typische Situationen mit wie kaputte ZĂŒge oder defekte Klimaanlagen an einem heißen Sommertag (eine Erfahrung, die ich ebenfalls machen durfte, aber auch in die andere Richtung, dass die Klima auf zu kalt eingestellt war) - aber auch das Verhalten einiger Bahnmitfahrer, die sich ihre Aktionen lieber hĂ€tten sparen können. NatĂŒrlich gibt es auch positive Erlebnisse, die werden auch in einem Kapitel erwĂ€hnt.
Die Geschichten sind sehr interessant, nur manchmal, abgesehen von einem Kapitel, welches sich um den einen oder anderen Sturm kĂŒmmert, behandeln die meisten Erlebnisse irgendwie die Bahnstrecken aus der gleichen Gegend. Keine Ahnung, ob es da schlimmer ist als in anderen Regionen in Deutschland, aber ein bisschen mehr Abwechselung wĂ€re interessanter gewesen. Auch ging es fast nur um Reisende, die entweder mit dem ICE oder sehr, sehr weite Strecken gefahren sind. Dabei hĂ€tten mich, als ehemalige Regionalbahnfahrerin, auch die eine oder andere Regionalverkehrsgeschichte interessiert. Denn ja, auch im "Nahverkehr", wie die Bahn sowas noch nennt, kann eine Menge negatives oder positives passieren. Auch ich hĂ€tte da das eine oder andere noch hinzufĂŒgen können. Am Ende jeder Geschichte wird dann der Name des Verfassers erwĂ€hnt.


Leseprobe:
Die Deutsche Bahn hat lange Zeit mit einem entspannten Fahrerlebnis geworben. Noch vor wenigen Jahren sah man Werbung von ZĂŒgen, in deren Abteilungen sich wenige Reisende lĂŒmmelten, auf ihren Laptops gemĂŒtlich Filme schauten oder auf dem Smartphone das Ultraschallbild des Enkelkindes bestaunten. Von dieser angenehm entspannten Vision des Fahrerlebnisses hat sich das Unternehmen lĂ€ngst verabschiedet, wie ein Werbespot mit Nico Rosberg aus dem Jahr 2018 zeigt.
Der ehemalige Rennfahrer sprintet in dem kurzen Video ĂŒber den Bahnsteig, erwischt knapp den Zug und stellt - dank mobiler DB-App - fest, dass seine Sitzplatzreservierung am anderen Ende des ICEs liegt. Zum Iggy-Pop-Song "The Passenger" folgt nun ein Sprint durch das alltĂ€gliche Zugchaos: Rosberg hilft dabei, einen Koffer in die Ablage ĂŒber den Sitzen zu wuchten, springt ĂŒber Hunde und Babys im Gang und tanzt sich durch ein Abteil mit indischer Hochzeit. Der Zug ist voll, laut, gedrĂ€ngt und soll natĂŒrlich trotzdem sympatisch wirken. Die Menschen sind entspannt, gehen an Laptops ihrer Arbeit nach. Am Ende gelangt Rosberg an seinen reservierten Platz, von dem ihm der halb nackte Iggy Pop persönlich entgegenlĂ€chelt und in vernuscheltem Deutsch "geĂ€nderte Wagenreihung" sagt.
Ironisches Augenzwinkern im eigenen Werbevideo.


Fazit:
Wie schon bereits gesagt, ist das Buch ziemlich interessant, auch wenn es schade ist, dass der Fokus so sehr auf den Fernverkehr liegt. Allerdings ist es jetzt nicht so interessant genug, dass ich es noch ein drittes Mal lesen wĂŒrde. Es ist eines dieser BĂŒcher, die man ließt und dann weitergibt, damit sie der nĂ€chste lesen kann. Auch wĂ€re eine Abwechslung, was die Themen und die Gebiete, in denen die Erlebnisse stattfinden, auch etwas mehr hĂ€tten sein können. An sich ist es eine gute Ansammlung von Erlebnissen, aber jetzt nichts, was ich nochmal lesen möchte oder gar behalten. Daher werde ich das Buch auch bei der nĂ€chsten Gelegenheit zu einem neuen Besitzer geben; und gebe ihm vorher insgesamt 3 Rubine.








Quelle:
Infos zum Buch und Bild: Lovelybooks

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