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Montag, 30. August 2021

[Rezension #139] Alpendöner

Titel: Alpendöner

Autor: Willibald Spatz

Erschienen in Deutschland: 2009

Originaltitel: -

Erschienen in (anderes Land): -

 

 



Weitere Informationen:

Genre: Krimi, Slice of Life

Preis: € 14,00 [D] | € 14,40 [A]

Seiten: 280

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-8392-2791-6

Verlag: Gmeiner-Verlag GmbH

 

Klappentext:

Birne, Anfang 30, steht vor einem Neuanfang. Nachdem es zuletzt weder beruflich noch in der Liebe gut lief, sucht er im AllgĂ€u sein GlĂŒck. In Kempten findet er einen Job als Redakteur bei einem kleinen Verlag, der WanderfĂŒhrer veröffentlicht. Gerade hat sich Birne ein wenig hĂ€uslich eingerichtet, als seine Nachbarin, die alte Frau Zulauf, blutĂŒberströmt aufgefunden wird. Mord inmitten beschaulicher Alpenidylle - so hatte Birne sich den Start in seiner neuen Heimat nun wirklich nicht vorgestellt...

 

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

Dieses Buch ist mir vor allem wegen dem Cover aufgefallen, aber auch wegen der Tatsache, dass es in der Buchhandlung in der regionalen Ecke stand, zusammen mit anderen Regionalkrimis. Jetzt komme ich ja selbst aus Bayern und habe öfters Regionalkrimis gelesen, die in Bayern spielen. Die einen haben mir mehr, die anderen weniger gefallen. Dennoch bin ich fĂŒr bayerische Krimis immer zu haben und auch immer offen fĂŒr neue. Das Cover sah und sieht fĂŒr mich sehr ansprechend aus. Als ich wĂ€hrend des Lesens Rezensionen und Bewertungen anderer gelesen habe, fiel mir auf, dass viele den Band mit der Kluftinger-Reihe verglichen haben. Ich dagegen bin ein großer Fan der Eberhofer-Reihe und da ich Kempten kenne (oft kannte ich den Ort nicht oder war noch nie dort, in dem der Roman spielt), daher war ich neugierig darauf. Jedoch kam ich erst diese Woche dazu, ihn zu lesen.

Leider wurde ich total enttÀuscht und das hier ist der schlechteste bayerische Regionalkrimi, den ich bisher gelesen habe. Aber eins nach dem anderen.

Als ich den Roman angefangen habe, habe ich mich einfach darauf einlassen wollen. Von dem Autor habe ich noch nie ein Buch gelesen und kannte auch sonst nichts von ihm. Auch habe ich mir, wie ĂŒblich, keine Rezensionen oder Kritiken dazu angesehen, daher hatte ich eine sehr neutrale Meinung dazu. Außer, dass mir der Titel gefallen hatte. Nun ja, leider bekam ich einen sehr schnellen DĂ€mpfer. Vor allem in dem ersten Viertel des Buches sind so viele und lange SchachtelsĂ€tze, dass ich nicht nur einmal beim Lesen Probleme hatte. Oft genug musste ich den Satz mehrfach oder in Portionen lesen, um zu verstehen, was eigentlich gerade passiert ist. Außerdem klingt das Buch vom Schreibstil oft so, als wollte es irgendwie besonders hochgestochen oder extrem literarisch wertvoll klingen, aber das kommt fĂŒr mich nicht so gut rĂŒber. Ich hatte das GefĂŒhl, ich lese ein Buch, das dafĂŒr geeignet ist, im Deutschunterricht fĂŒr die Textinterpretation zerlegt zu werden. Da ich das allerdings in meiner Freizeit nicht mache, fand ich es dagegen ein wenig merkwĂŒrdig.

Überhaupt war der Schreibstil sehr seltsam. Oft wusste ich nicht, was der Autor jetzt mit der Beschreibung sagen möchte. Auch hatte ich oft Probleme, die Charaktere zu verstehen, da sie oft etwas seltsam sprachen oder nicht eindeutig genug. Auch wusste ich oft nicht, wer jetzt wer ist, ich las oft Namen, aber ich hatte Schwierigkeiten, wer jetz nochmal wer war, da sie alle wie eine gleiche, graue Masse rĂŒberkamen. War das jetzt die Nachbarin, die Kollegin oder war anderes? Fiel mir nicht immer leicht, mir das zu merken.

Die Dialoge waren auch oft schwer, da ich oft nicht erkennen konnte, wer dort gerade spricht. Oft genug war es kein flĂŒssiger Dialog, sondern einfach nur eine rasche Abfolge von wenigen Worten oder kurzen SĂ€tzen. Nicht nur einmal wusste ich nicht mehr: Wer hat jetzt was gesagt? Die meiste Zeit ging diese Art von Dialog nur zwei-drei Zeilen lang, aber im schlimmsten war es auch fast die halbe Seite lang. Das hĂ€tte dann gut in ein Drehbuch gepasst, aber doch nicht in einen Roman. FrĂŒher habe ich das auch gemacht, ich denke, es ist ein typischer AnfĂ€ngerfehler, etwas, auf das ich in meinen Fanfictions schon lange achte.

Die Story kam mir ein wenig durcheinander vor und ich hatte Probleme, einen roten Faden zu finden. Ich glaube, die Idee dahinter war, dass der Hauptcharakter Birne eigentlich nichts mit der ganzen Sache zu tun haben will, und zufĂ€llig dort reinschlittert. Zu dem Punkt werde ich noch etwas sagen, aber ich bleibe jetzt erstmal bei der Story. Viele Handlungspunkte, aber die haben nicht immer was miteinander zu tun. So hat Birne irgendwie Flirts am Laufen, aber aus keiner einzigen wird was. Es passiert der Mord, es passiert bei ihm privat was und er gerĂ€t auch in das eine oder andere Abenteuer... wobei Abenteuer hier eigentlich das falsche Wort ist. Entweder es passiert nichts oder er wird verprĂŒgelt. NatĂŒrlich ist es unrealistisch zu lesen, wie ein Mann im Alleingang z.B. ne Gang fertigmacht, aber Birne wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit verprĂŒgelt und es hat fĂŒr absolut niemanden Konsequenzen. Die ganze Story wirkt wie ein Flickenteppich, eine Patchwork-Decke an Dingen, die der Autor umbedingt drin haben wollte. So hat auch z.B. die ganze Nebenstory mit den MĂŒllinspektoren nicht viel Sinn gemacht oder zur Hauptstory beigetragen, außer in einem Punkt. Aber selbst da kam es mir total random vor.

Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist Birne. Ihn habe ich am wenigsten verstanden und mochte ich auch am wenigsten. Ich glaube, der Autor wollte hier auf den Zug aufspringen, mit Ermittlern, die ein wenig murrig sind, sich nicht viel sagen lassen und sture EinzelgĂ€nger sind. Doch wie es in Birne umgesetzt wurde, finde ich ein wenig merkwĂŒrdig. So fĂ€ngt er in einem Verlag an, lĂ€sst sich brav alles zeigen und geht dann jeden Tag zur Arbeit. In der Mittagspause gehts dann mit den Kollegen in die GaststĂ€tte, wo dann gemeinsam gegessen, getrunken und ĂŒber alle möglichen Dinge (besonders auslĂ€ndisches Essen) gelĂ€stert wird. Irgendwann wĂ€hrend des Lesens habe ich mich dann doch gefragt: Was zum Henker macht der da auf seiner Arbeit, irgendwie liest man da nichts darĂŒber? DafĂŒr, dass er bei einem Verlag fĂŒr WanderfĂŒhrer arbeitet, bekommt er kaum ArbeitsauftrĂ€ge oder nichts davon mit. Ich hatte bei jedem Arbeitstag den Verdacht, dass Birne nur körperlich anwesend ist, aber sonst nichts macht, außer irgendwelche Videos anzugucken oder sonst was am PC. Stellt sich spĂ€ter heraus, ich hatte recht, er ist dort eine Woche, macht aber alles mögliche, als zu arbeiten. An einem Tag kam er sogar ziemlich verkatert rein, da hĂ€tte er doch doch lieber krankfeiern sollen.

Überhaupt gibt es fĂŒr Birne nur wenige Dinge, die in seinem Leben eine Rolle spielen: Seine Zeitung (die ihm irgendwer geklaut hat, wer, wird nie aufgeklĂ€rt), Alkohol und er selbst. Irgendwie kann er sich auch nicht entscheiden, was er sonst noch will. OFt genug geht er in irgendeine Bar und sauft sich zu; oder macht das zuhause in den eigenen vier WĂ€nden. Die meiste Zeit denkt er schlecht von anderen Menschen und will ihnen ĂŒberhaupt nicht helfen, außer, sie drĂ€ngen sich ihm auf.

Als Beispiel, eine alte Frau bittet ihm um Hilfe bei etwas, was sie nicht alleine kann und sein Gedankengang ist: "Er musste unbedingt an seiner Unhöflichkeit arbeiten. Er war zu gut zu den Menschen. Was taten sie dafĂŒr?", da blieb mir schon so manches Wort im Hals stecken. Oder auch, dass er es super findet, eine Frau kennenzulernen, sich mit ihr anzufreunden, nur um dann eine Freundin von ihr zu daten...

Ganz ehrlich, immer, wenn Birne verkatert oder verprĂŒgelt war, habe ich absolut kein Mitleid gespĂŒrt. Überhaupt dachte ich nicht, dass er Anfang 30 ist, sondern eher so Mitte 50, vom Mindset her. Er dachte auch oft: Hm, die Frau hat mich angelĂ€chelt, also wird da jetzt was laufen. Doch kaum wird es eventuell ernst, lĂ€sst er die Frauen fallen und ignorieren ihn in dem Punkt. Abgesehen davon, dass die meisten von ihnen vergeben waren, frage ich mich, warum er sich ĂŒberhaupt Hoffnungen gemacht hat.

Was den Fall angeht, da hat sich Birne auch nicht entscheiden können, ob er nun involviert sein will oder nicht. Anfangs will er nicht, dann will er doch dabei sein, dann wieder doch nicht ... ich wusste jetzt nicht: Will der ermitteln oder nicht? Weil erst ermittelt er und dann lebt er einfach ganz normal sein Leben weiter. Besonders gegen Ende rum musste er immer bei jedem Teil betonen, wie groß oder klein sein Anteil an dem jeweiligen Erfolg war und dass es ihm am liebsten wĂ€re, wenn er den Fall ganz allein gelöst hĂ€tte. Und dafĂŒr von jedem gefeiert worden wĂ€re. Wie das Ganze dann ausgeht und aufgelöst wird... naja, hat mich jetzt nicht so ĂŒberzeugt. Dass er dann am Ende auch noch Polizist wird, weil er zufĂ€llig in dem Fall verwickelt ist und grad zufĂ€llig ne Stelle freigeworden ist, fand ich am schlimmsten. Es gibt extra Schulen fĂŒr Polizisten, man muss dafĂŒr eine eigene Ausbildung machen und auch bestimmten Vorraussetzungen entsprechen, wie z.B. körperliche Fitness. Aber Birne bekommt den Job einfach hinterhergeworfen. WĂ€re er z.B. Kriminalreporter geworden oder Detektiv, hĂ€tte ich das besser verstanden. Dass er nebenbei ein BeweisstĂŒck hat verschwinden lassen, fiel niemanden auf, nicht mal der Polizei. Das hat mich dann auch noch zum KopfschĂŒtteln gebracht.

 

Fazit:

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttĂ€uscht. Der RĂŒckentext hat das Buch so interessant klingen lassen und dann steckt nicht viel mehr als heiße Luft dahinter. Außerdem ist das der erste Band einer Reihe, doch ich muss sagen: Mir reicht das erste Buch, ich muss nicht noch mehr von der Reihe haben. Ich habe genug von Birne und habe keinen weiteren Bedarf nach mehr. Schade eigentlich, von der Idee her klang der Roman so gut, aber hier wurde eine gute Idee leider total in den Sand gesetzt. Den meisten BĂŒchern, die mir nicht gefallen haben von den Charakteren und der Story her, bei denen konnte ich oft sagen: Wenigstens war der Schreibstil angenehm und verstĂ€ndlich. Aber nicht einmal das hier war der Fall.

Daher bekommt das Buch von mir nur einen Stern. Was daran kultverdÀchtig sein soll, kann ich beim besten Willen nicht sehen.

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Foto: Selbst geschossen

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