Dienstag, 21. MĂ€rz 2023

[Rezension #208] RAIN MAN

 

Titel: RAIN MAN

Autor*in: Leonore Fleischer

Erschienen in Deutschland: 1989

Originaltitel: RAIN MAN

Erschienen in den USA: 1989

Übersetzer*in: Alfred Dunkel

 

 

Weitere Informationen:

Genre: Slice of Life, Drama

Preis: Um die 2 bis 7 Euro rum, allerdings nur gebraucht

Seiten: 235

Sprache: Deutsch

ISBN: 3-453-03595-X

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag GmbH

 

Inhalt:

Zwei ungleiche BrĂŒder finden unter ganz ungewöhnlichen UmstĂ€nden wieder zueinander: eine menschlich bewegende Geschichte voll Humor und Melancholie.

Der smarte Charlie Babbitt ist schockiert, als ihm der Testamentsvollstrecker eröffnet, daß ihm sein Vater nur ein altes Auto hinterlĂ€ĂŸt. Die drei Millionen Dollar erbt sein behinderter Bruder, den er viele Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Um doch noch an das Geld heranzukommen, entfĂŒhrt Charlie den autistischen, gleichwohl hochintelligenten Raymond kurzerhand aus der psychiatrischen Klinik...

 

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

Kleiner Disclaimer vorab: Ich werde zum Vergleich den einen oder anderen Namen von anderen Filmen/BĂŒchern fallen lassen. FĂŒr alle gilt: Sie sind keine Werbung oder Ă€hnliches.

 Das Buch hier habe ich von von einer sehr netten Userin geschenkt bekommen, vielen lieben Dank nochmal an dieser Stelle! Damals, im Dezember 2022 hatte ich fĂŒr die ABC-Challenge nach einem Buch gesucht, das mit dem Buchstaben "R" beginnt und sie hatte mir das Buch dann empfohlen. Leider hat es dann mit dem Versand erst nach Dezember geklappt, aber das macht nichts. Ich habs dann einfach jetzt nachgeholt mit dem Lesen :-)

 So, nun aber zum Buch zurĂŒck. Üblicherweise ist es so, dass zuerst das Buch da ist und dann kommt die Buchverfilmung. Oft weichen die Filme ein wenig vom Buch ab oder es schaffen nicht alle Details und Kleinigkeiten in den Film, was auch verstĂ€ndlich ist. Hier ist allerdings umgekehrt: Es gab zuerst den Film, dann auf Basis des Drehbuchs den Roman. Was man dem Buch auch leider anmerkt, muss ich zugeben.

 Zum Film selbst kann ich nicht so viel sagen. Ich habe nur oft mitbekommen, dass der Film gerne mal erwĂ€hnt wird in Diskussionen rund um das Thema Autismus und Menschen mit Autismus. Ein Thema, mit dem ich mich privat hin und wieder beschĂ€ftige. Selbst habe ich den Film nie gesehen, ich habe immer nur mitbekommen, dass autistische Menschen gerne mal mit dem "Rain Man" bzw "Regenmann", wie es in der deutschen Übersetzung oft heißt, verglichen werden. Auch habe ich öfters die ErwĂ€hnung des Films in Artikeln gesehen, die kurz anrissen, was Autismus sein soll. Wenn sie zum Beispiel ĂŒber Greta Thunberg berichtet haben. Überhaupt diente der Film als eine Art "Musterbeispiel" fĂŒr Autismus.

Was nicht wahr ist, es ist kein Musterbeispiel oder genaues Bild davon, wie jeder Autist drauf ist. Autismis ist ein breites Spektrum, und bei jedem Autisten Ă€ußert sich das anders. Es gibt die Redensart: "Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten". Nur, weil Person A so und so drauf ist, muss das nicht auch fĂŒr Person B gelten.

Wie gesagt, ich habe den Film nie gesehen, daher konnte ich mir da nie ein Bild davon machen oder eine eigene Meinung zu dem Ganzen. Vielleicht hole ich den Film irgendwann nach, nur derzeit habe ich noch genug andere Sachen, die darauf warten, von mir gesehen zu werden^^°

Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich nur zustimmen: Nein, nicht jeder Autist ist so. Wenn ich da zum Beispiel an die Schattenspringerreihe denke, die Autorin der Comics ist so komplett anders als Raymond. Und Raymond basiert ja auf einer wahren Person, wenn ich das richtig verstanden habe.

 Gut, zurĂŒck zum Buch. Ich kannte außer dem, was ich eben im Vorfeld zum Film mitbekommen hatte und dem RĂŒckentext nichts vom Buch. Daher hatte ich auch keine großen Erwartungen, sondern ließ es einfach auf mich zukommen. Was mir recht schnell aufgefallen ist und was ich mindestens die HĂ€lfte, wenn nicht 3/4 des Buches lang bemerkt hatte: Charlie ist ein Arsch XD

Er denkt oft nur daran, an das Erbe seines Vaters zu kommen und ihm ist dabei egal, wie sich die anderen fĂŒhlen. Er benutzt seine Freundin, um sein Ziel zu erreichen und Raymond benutzt er ebenfalls. Auf seine BedĂŒrfnisse geht er nicht ein, er versucht gar nicht ihn zu verstehen. Wenn Raymond beispielsweise einen Shutdown hat, reagiert er nicht mit VerstĂ€ndnis, sondern mit Wut. Manchmal versucht Charlie ihn sogar, aus seiner kleinen Comfortzone rauszuziehen, ohne Raymond die Möglichkeit geben, sich zu beruhigen.

Erst recht spĂ€t versucht er zu verstehen, was sein Bruder braucht und was ihm wirklich hilft. Die ganze Zeit ĂŒber vergleicht er ihn mit sich selbst und versucht ihn zu heilen, normal zu machen. Allerdings ist Raymond nun mal, blöd gesagt, anders "verkabelt" als Charlie und am Ende sieht er ein: Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann ihm auf Dauer nicht das geben, was er braucht. Er erkennt am Ende seine Fehler ein und möchte es wieder gut machen, was ich toll finde.

Ich meine, jemanden, der keine menschlichen BerĂŒhrungen mag, zu einer Umarmung zu zwingen, das ist alles andere als ok.

Raymond, nun, er ist halt nun mal so wie er ist. In manchen Punkten wĂŒrde ich ihn auch nicht so ganz verstehen, aber ich wĂŒrde ihn deswegen jetzt persönlich zu nichts zwingen. Zumal er alleine auf sich gestellt wirklich sehr unbeholfen ist, die Einrichtung ist daher eine sehr große StĂŒtze fĂŒr ihn.

Gleichzeitig finde ich seine FĂ€higkeit des schnellen ZĂ€hlens und sein großartiges GedĂ€chtnis klasse. Wenn ich da an mein GedĂ€chtnis denke, das sich nur random Dinge merkt und vieles wieder vergisst ... Da kann man schon mal neidisch werden.

 Achja, ich hatte ja vorhin angesprochen, dass man dem Buch anmerkt, dass es eine Romanumsetzung des Drehbuchs ist und dass ich das schade finde, dass man es bemerkt. An sich ist die Story interessant, nur... nicht so tief beschrieben. Es gibt leider viel zu wenig Details und Nebenszenen, die dem Buch noch ein wenig Leben einhauen wĂŒrden. Nein, man hĂ€lt sich stur an den Film. Ich habe mir einen Trailer angesehen und so manche Szene, die ich bereits aus dem Buch kenne, war 1:1 dort dargestellt, genauso der Dialog. Dabei mag ich es, wenn ich den Film sehe und weiß: Das Buch geht noch viel tiefer und vielschichtiger in die ganze Sache hinein. Dass es dort Szenen gibt, die den Charakter fĂŒr mich noch lebendiger, nachvollziehbarer machen.

Beispielsweise die Eberhofer-Reihe, wenn ich lese, dass Franz seine Oma zum Einkaufszentrum begleitet, weil es da irgendwo Hosen im Angebot gibt oder wenn er sich seine fĂŒnf LeberkĂ€ssemmeln bei Simmerl holt, die Szenen schaffen es vielleicht nicht in den Film, weil sie zu unwichtig sind dafĂŒr.

Aber fĂŒr mich als Leser sind sie wichtig. Ich erfahre dann mehr von Franz, sein Leben besteht mehr als aus dem Fall, an dem er grad ermittelt. Das bringt mir persönlich die Figur nĂ€her.

Im Filmen hat man mehr als nur den Text im Buch, man hat das Bild/Filmmaterial, man hat das Licht, die Musik, die Schauspieler, all das arbeitet zusammen, damit man sich ein Bild von den Charakteren und der Szene, wie auch der Story an sich machen kann. Das meiste fehlt hier und so fĂŒhlt sich vieles an, als wĂŒrde es nur kurz angeschnitten werden. Wie eben bei einem Drehbuch und die sind fĂŒr mich langweilig zu lesen, habe ich auch beim gedruckten Drehbuch zum ersten "Phantastische Tierwesen"-Film gesehen. Man hat sich hier die MĂŒhe gemacht, es zu einem Roman auszuschreiben, das rechne ich hoch an.

 Hin und wieder gab es Bilder aus den Film, die random Momente des Films zeigen und mir einen guten Einblick geben konnten, da ich den Film nicht kannte. Sowas finde ich generell klasse. Ob die Momente gut oder schlecht ausgewĂ€hlt sind, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Dazu mĂŒsste ich den Film kennen. Und an und fĂŒr sich war das Buch gut geschrieben. Ich mochte Charlies Charakterentwicklung am Ende, wie auch die Entwicklung zwischen den beiden BrĂŒdern. Charlie wurde langsam zum Nachdenken angeregt, was fĂŒr ihn wirklich wichtig ist im Leben und worauf es fĂŒr ihn wirklich ankommt. Das Ende ist auch vollkommen in Ordnung, wenn nicht sogar realistisch. Ein Kompromiss, angesichts dessen, dass Raymond seinem Bruder gegen Ende ans Herz gewachsen ist. Ein notwendiger Kompromiss, ich denke, diese Situation, auf die es am Ende zulĂ€uft, ist das Beste, was ihnen beiden passieren kann.

 Was ich auch interessant fand: Wie die Menschen Raymond wahrnehmen, egal ob sie ihn kennen oder nicht. Sie merken, sie spĂŒren, wenn mit jemandem etwas nicht stimmt, auch wenn sie nicht greifen können, was es ist. Ich selbst habe solche Antennen nicht oder mein Menschenkenntnis-Skill ist unterlevelt, genau kann ich es nicht sagen. Aber solche Einblicke zu bekommen, fand ich interessant. Auch hat es mir die eine oder andere Frage, die ich in der Vergangenheit gestellt hatte, beantwortet. Das war sehr hilfreich.

 

 Fazit:

Ich hatte vor dem Lesen eher sehr grobe Vorstellung davon, was mich erwarten könnte. Zwar wurde ich nicht enttĂ€uscht, aber auch nicht so ganz komplett mitgenommen. Wie gesagt, dazu fehlt mir dann doch ein bisschen die Tiefe, es wĂ€re schön gewesen, wenn die einzelnen Szenen wenigstens ein bisschen besser ausgebaut wĂ€ren. So fĂŒhlt es sich oft genug an, als wĂ€ren die Regieanweisungen zusammen mit den Dialogsetzen zu schlichten SĂ€tzen umgebaut worden. Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten. Es ist jedoch eins dieser BĂŒcher, bei denen ich sage: Einmal lesen reicht mir.

Am Ende bin ich froh, dass ich dem Buch dank der lieben Userin eine Chance geben konnte, denn auch wenn ich nie den Film gesehen habe, so kann ich mir bei dem nÀchsten Vergleich "Autismus - Rain Man" ein besseres Bild machen, was in dem Moment gemeint ist.

Von mir bekommt das Buch insgesamt drei Sterne und die Bewertung gilt rein fĂŒr das Buch, nicht fĂŒr den Film. Etwas zu bewerten, was ich bisher noch nie gesehen habe, wĂ€re seltsam.

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Foto: Selbst geschossen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo :-)

Danke, dass du diesen Blogeintrag gelesen hast - ich freue mich schon auf deine Meinung dazu!

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter UmstĂ€nden auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server ĂŒbermittelt.
Mehr Infos dazu findest du in meiner DatenschutzerklÀrung (http://blog.kiranear.moe/p/datenschutzerklarung01.html) und in der DatenschutzerklÀrung von Google (https://policies.google.com/privacy?hl=de).

Lg,
Kira