Mittwoch, 1. November 2023

[Rezension #246] Das Haus der Frauen

 

Titel: Das Haus der Frauen

Autor*in: Laetitia Colombani

Erschienen in Deutschland: 2021

Originaltitel: Les Victorieuses

Erschienen in den USA: 2019

Ăśbersetzer*in: Claudia Marquardt

 

 

Weitere Informationen:

Genre: Drama, Slice of Life, Gen, Historisch

Preis: € 11,00 [D] | € 11,40 [A]

Seiten: 255

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-596-70010-3

Verlag: FISCHER Taschenbuch

 

Inhalt:

In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwälting Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Im "Haus der Frauen" schreibt sie nun im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe - an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten - und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Weil Solène anderen hilft, hat ihr Leben wieder einen Sinn. Doch wer war die Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschließt, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.

 

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

Ok, bevor ich meine Meinung zum Buch selbst äuĂźere, ein kleiner Punkt, den ich vor und während des Lesens nicht wusste: Das Haus der Frauen bzw Palais de la Femme (Der Palast der Frau) gibt es wirklich, es steht in Paris, Frankreich. Auch gab es die GrĂĽnderin und ihren Ehemann, Blanche und Albin Peyron, was ich dagegen sehr faszinierend finde. Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, dass das Ganze fiktiv wäre, bis ich es gegoogelt hatte. Ich meine, natĂĽrlich, die Protagonistin und die Figuren, denen sie begegnet, die sind fiktiv. Aber das Gebäude gibt es wirklich und es steht auch heute offen steht. Wobei ich es seltsam finde, dass es im Buch immer mal wieder heiĂźt: Das Haus wurde so in der Form vor 100 Jahren gegrĂĽndet. Die GrĂĽndung war 1926, daher mĂĽsste das Buch im Jahr 2026 spielen. Es gibt keine richtige Zeitangabe, in welchem Jahr das Buch spielt, glaube aber mal was von 2020 gelesen zu haben. Das geht nicht ganz auf^^°

So, nachdem wir jetzt etwas gelernt und uns über die seltsame Mathematik gewundert haben, komme ich jetzt mal zum Buch selbst zurück. Es gibt im Grunde zwei Haupthandlungen. Bei der einen Handlung ist man in der Gegenwart bei Solène, die einen schweren Schicksalsschlag erlebt und dadurch an Burnout erkrankt. Bzw es war der berühmte letzte Tropfen, der dafür gefehlt und das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Nach ein bisschen Hin und Her entschließt sie sich, im Haus der Frauen für deren Bewohnerinnen Briefe zu schreiben.

Anfangs sind die Frauen eher argwöhnisch und ignorieren sie, aber nach einer Zeit vertrauen sie sich Solène an, akzeptieren ihre Hilfe und erzählen auch ihre Lebensgeschichte. Wie sie im Palast der Frauen gelandet sind und was ihre Träume, Wünsche, aber auch Ängste sind. Was sie nachts wachhält und am Tag weiterhin verfolgt.

All diese Frauen haben (sehr) schreckliche Dinge erlebt und öfters hatte ich ein bisschen Mitleid beim Lesen.

Aber hier kommen wir zum Hauptproblem: Ich hatte nur ein bisschen Mitleid. Die Autorin schafft diese seltsame Kombination, dass man auf der einen Seite die Figuren mit ihren dunklen Vergangenheiten hat, mit den Traumata, die sie teilweise deswegen haben und auch mit den physischen oder psychischen Narben.

Auf der anderen Seite schreibt sie die Figuren allesamt so distanziert, dass es mir schwer fiel, eine richtige Verbindung zu ihnen aufzubauen. Egal, wie berührend die Geschichte war, ich hatte das Gefühl, als würde eine dicke, schwere Glasscheibe zwischen mir und ihnen stehen. Besonders mit der Hauptcharakterin konnte ich wenig mitfühlen, zumal sich ihre Laune oft im Sekundentakt änderte, was auch ein wenig anstrengend war.

Ich wusste, ich hätte hier voller Mitgefühl und Trauer sein sollen, aber ich war so distanziert von dem Ganzen ... es fühlte sich an, als würde mich das Buch dazu auffordern, diese Gefühle zu spüren. Es fühlte sich aber erzwungen an, nicht natürlich. Trauer ist eine der wenigen Emotionen, die ich beim Lesen spüren kann und ich habe auch schon beim Lesen eines Buches weinen müssen. Hier war ich weit davon entfernt.

Zum anderen Handlungsstrang springt man hier und da in die Vergangenheit, das ist auch immer wieder zeitlich abgegrenzt unter dem Kapitelnamen. Man sieht also immer, ist man grad in der Gegenwart oder in der Vergangenheit. Hier sieht man, wie sich Blanche durchs Leben schlägt, wie sie sich in Albin verliebt und wie sie dann zusammen, entgegen aller Erwartungen und Schwierigkeiten, den Palast der Frauen gründet. Hier habe ich tatsächlich etwas Spannung gefühlt, da sie doch recht viel Geld für den Kauf und die aufwendige Renovierung des Gebäudes benötigt haben. Ich meine, klar, sie haben es geschafft, sonst hätte es ja den Palast ja so nicht gegeben. Dennoch war es spannend zu sehen, wie sie an das Geld gekommen sind und wer sie dabei alles unterstützt hat.

Jetzt kenne ich Blanche und ihre genaue Biografie nicht so genau, immerhin kenne ich sie ja auch an sich erst seit gestern, aber ich bin mir in einem Punkt total uneinig: War sie wirklich ständig krank oder diente das nur dem Drama? Dass genau die Frau, die sich für so eine tolle Sache einsetzt, ihre Gesundheit ganz hinten anstellt und sich um alle kümmert, nur um sich selbst nicht? Ihr Mann hat zwar alles mögliche versucht, aber keinen Erfolg gehabt. Wie gesagt, keine Ahnung, ob es wirklich so war oder nicht.

 

Fazit:

Der Schreibstil war locker-flockig, die Kapitel recht kurz, weshalb ich das Buch auch in wenigen Stunden durch hatte. Nur das mit der Distanz hätte nicht sein müssen. Diese dicke Glasmauer, die ich durchgehend beim Lesen gespürt hatte, darauf hätte ich verzichten können. So erreicht mich das Buch nicht in dem Umfang, wie es mich hätte erreichen sollen. Zwar hat das Buch am Ende sowas wie ein gutes Ende, aber ich bin mir nicht sicher, ob es in der Realität genauso verlaufen wäre, wie im Buch. Die Realität ist dann doch härter, kälter und unschöner :(

So geht fĂĽr mich viel verloren, was schade ist. Zwar fĂĽhle ich beim Lesen niemals so viel, wie beim Schauen von Serien oder Zocken von Videospielen, aber dennoch, ich mag es auch beim Lesen gerne emotional haben.

Daher gebe ich dem Buch insgesamt drei Sterne. 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Foto: Selbst geschossen

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