Sonntag, 12. November 2023

[Rezension #248] Ein Garten f├╝r zwei

 

 

Titel: Ein Garten f├╝r zwei

Autor*in: Emma Sternberg

Erschienen in Deutschland: 2021

Originaltitel: -

Erschienen in -: -

├ťbersetzer*in: -

 

 

Weitere Informationen:

Genre: Slice of Life, Hetero, Drama

Preis: € 10,99 [D] | € 11,30 [A]

Seiten: 431

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-453-42339-8

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag

 

Inhalt:

Lu ist smart, schnell und als Anw├Ąltin in einer Top-Kanzlei supererfolgreich. Doch dann stirbt ihr gro├čer Bruder Pip und mit einem Mal wei├č Lu nicht mehr, wo oben und unten ist. In Pips Gartenlaube will sie sich erst nur verkriechen, doch dann wird es Fr├╝hling. Die Natur erwacht, und w├Ąhrend Lu in der Erde w├╝hlt, entdeckt sie nicht nur, dass Gl├╝ck etwas ist, das man mit den H├Ąnden greifen kann. Sondern auch, was sie vom Leben wirklich will.

 

Meinung (Achtung, m├Âglicherweise Spoiler!):

Ich muss sagen, dass mich die hellen Farben des gesamten Buchs, nicht nur vom Cover, sofort angesprochen haben. Es wirkt gem├╝tlich, sch├Ân, bequem und lebendig. So in etwa darf ich mir wohl den einen oder anderen Schrebergarten aus dem Buch vorstellen, vermute ich mal. Und mir hat auch das Buch im Inneren gefallen. Was vor allem an der Hauptcharakterin und ihrer Entwicklung liegt.

Am Anfang ist sie der totale Workacholic, sie achtet extrem auf ein gutes Aussehen, seih es an ihr selbst oder bei ihrer Wohnung. Sie beauftragt Maler, die ihre Wohnungen in Farben anstreichen sollen, deren Namen teilweise sehr merkw├╝rdig klingen. Und sie f├Ąhrt jeden Tag mit einem Taxifahrer, den sie pers├Ânlich kennt, zur Arbeit. Gut, dagegen ist ja nichts einzurichten, aber gleichzeitig f├╝hlt sie sich wohl zu fein, um mit den ├ľffentlichen zu fahren. Dabei ist man in einer Stadt wie Berlin richtig gut ausgestattet, was das angeht. Ihre Entwicklung, wie sie mit dem Schmerz des Verlustes umging, das war nachvollziehbar und sch├Ân zu beobachten, vor allem, als sie merkt: Hey, das gef├Ąllt mir!

Jedenfalls wird sie recht schnell mit dem Tod ihres Bruders konfrontiert, ein Ereignis, dass sie v├Âllig aus der Bahn wirft. Es wird sofort klar, dass sie sich dringend ein paar Tage Urlaub nehmen sollte, irgendwann ist sie dann vern├╝nftig genug, um das auch zu tun. Genau kenne ich mich da nicht aus, aber ich bin mir sicher, dass sie sich vllt sogar vom Arzt was h├Ątte verschreiben lassen k├Ânnen, denn sie war emotional so neben der Spur, das ging gar nicht. Aber gut, ihr Chef gibt ihr so viel Urlaub wie sie braucht, und das ist doch eigentlich auch ganz gut. So viele Chefs w├╝rden das nicht machen. Ok, der Chef hofft, dass sie danach dann zur├╝ckkommt und Kanzleipartnerin wird, so ganz uneigenn├╝tzig ist das nicht, aber immer noch netter als das, was andere Chefs machen w├╝rden.

Die andern Charaktere waren auch voll in Ordnung, besonders Nele und ihre Tees fand ich sehr interessant. Ganz am Anfang und Ende des Buches sind drei Rezepte insgesamt abgedruckt, darunter ist einer der Tees von Nele dabei. Ich fand auch ihren Garten von der Beschreibung her am Besten, den mal zu besuchen w├╝rde mir auch gut gefallen. Niko fand ich auch in Ordnung, nur zwei Punkte haben mich total gest├Ârt.

Der erste Punkt ist, er wurde am Anfang als ein Mensch eingef├╝hrt, der sich ungefragt in die Angelegenheiten anderer Leute einmischt, dabei ziemlich ruppig und besserwisserisch ist, ohne aber einen hilfreichen Tipp zu hinterlassen. Einer dieser Leute, die nur mit dem Kopf sch├╝tteln und sagen: Das ist falsch. Allerdings sagen sie nicht, was/warum daran genau falsch ist und wie man es richtig/besser machen k├Ânnte.

So kommt er anfangs ├Âfters r├╝ber und ich konnte Lu verstehen, dass sie sagte: Ne, mit dem will ich nichts am Hut haben.

Sp├Ąter aber macht er aus dem Nichts eine 180 Grad Wendung, wird netter und bietet ihr oft seine Hilfe an, besonders bei Dingen, die sie noch nicht wissen oder machen kann. Das fand ich total seltsam, auch mit der Begr├╝ndung, die er f├╝r sein anf├Ąngliches Verhalten liefert. Es wirkt einfach, als w├Ąren es zwei verschiedene Personen und das fand ich irritierend.

Der zweite Punkt ist sein Verhalten gegen├╝ber Lu. Es ist mehr als offensichtlich, dass er auf Lu steht, aber seine Eifersucht (?) steht ihm da voll ihm weg. Oder sein sauert├Âpfischer Charakter. Genau kann ich es auch nicht wirklich sagen, um ehrlich zu sein. Jedenfalls, wenn Lu mit ihm nett redet, Begeisterung f├╝r den Garten ihres Bruders oder f├╝r Nikos Garten zeigt, dann ist er total freundlich, offen, begeistert. Wenn Lu allerdings versucht, Nina auf ihre eigene Arte zu helfen ein kleines Teebusiness aufzubauen, oder etwas gegen die hohe Pestizidberlastung zu tun, dann wird er auf einmal schnippisch, beleidigt, zugekn├Âpft. Am schlimmsten ist es, wenn Lu ├╝ber ihre Arbeit in der Kanzlei oder das Leben in Berlin redet. Klar, es muss einem nicht jeder Lebensstil gefallen. Aber jemanden daf├╝r st├Ąndig zu verurteilen wie Niko es getan hat? Nervig!

So war er dann auch total begeistert, als sie ihren Job gek├╝ndigt hat und meinte dann, nicht w├Ârtlich, aber sinnlich: Oh, gut, dass du es eingesehen hast, dass du einen total miesen Job hast, ich h├Ątte den an deiner Stelle nicht angenommen. Und Berlin ist genauso mies, gut, dass du da weg bist, also ich w├╝rde ja da nicht leben wollen ...

Jedes Mal, wenn Niko mit der Tour ankam, konnte ich nur mit den Augen rollen.

Daher fand ich die Romantik zwischen den beiden auch so erzwungen, ich dachte ehrlich gesagt erst, dass nur Lus Chef vllt was von ihr will, aber es war schnell klar: Es geht nur um eine Kanzleipartnerschaft, keine romantische. Und ganz ehrlich, auch wenn der Romantikanteil hier gering ist. Auch wenn Lu und ihre Charakterentwicklung, die Entwicklung des Gartens im Vordergrund steht - f├╝r mich h├Ątte es den Romantikanteil so gar nicht gebraucht. Sie h├Ątten auch einfach nur Freunde sein k├Ânnen, sie und Niko. Das h├Ątte sich f├╝r mich nat├╝rlicher angef├╝hlt, vermutlich kam es so zu dieser abrupten Ver├Ąnderung von Nikos Verhalten, einfach, weil die Autorin unbedingt wollte, dass sich die beiden n├Ąherkommen und das geht halt nicht, wenn man sich nur anfeindet. Wenn Lu einfach nur ihr Gl├╝ck im Garten und in ihrer neuen Heimat gefunden h├Ątte, das w├Ąre in meinen Augen besser gewesen.

Achja, die Exfrau von Pip war in meinen Augen einfach nur l├Ącherlich. Die meiste Zeit interessiert sie sich nur f├╝r eine Pflanze im Garten, hatte komische Vorstellungen von dem, was sie will und hatte damit ihren Exmann w├Ąhrend ihrer Beziehung tierisch unter Stress gesetzt. Dass sie dann auf einmal kommt, und sagt: Och, ich will mich doch um den Garten k├╝mmern, so random aus dem Nichts... ich kann mir vorstellen, dass es so komische Leute gibt. Lustigerweise hat sie es dann grad mal eine ganz kurze Zeit ausgehalten, dabei stand das von Anfang an fest, dass das nichts f├╝r sie ist. Aber egal, Hauptsache erstmal auf etwas pochen, was einem nicht wirklich zusteht (Hallo, Exfrau und ja, die waren schon vor dem Tod geschieden) und erstmal Lu unfreundlich aus dem kleinen Haus werfen.

Die restlichen Charaktere fand ich ok, aber ich hab viel zu wenig von ihnen gesehen um sagen zu k├Ânnen, ob sie mir gefallen w├╝rden oder nicht. Sie sind halt ok und wichtig f├╝r die Story.

 

Fazit:

Bei den vielen Punkten k├Ânnte man sich fragen: Hey, Kira, hat dir das Buch denn ├╝berhaupt gefallen? Ja, das hat es, das kann ich auf jeden Fall sagen. Der Schreibstil war detailreich und las sich auch sehr angenehm. Dennoch, ein paar Punkte h├Ątte ich pers├Ânlich anders gemacht oder weggelassen. Dennoch hatte ich viele sch├Âne Lesestunden mit dem Buch. Wenn man ├╝ber diese Punkte hinwegsehen kann, denn was das angeht, hatte ich schon mal schlimmere B├╝cher.

Dieses Buch hier bekommt von mir insgesamt vier Sterne und eine kleine Leseempfehlung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Foto: Selbst geschossen

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